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Multiple Sklerose - aktuelle Diskussion

Sicherheitsmaßnahmen bei Immuntherapien der Multiplen Sklerose

30.06.2017 - So groß der Nutzen von Immuntherapeutika für MS-Patienten ist: Die Wirkstoffe können auch Nebenwirkungen mit sich bringen. Umso wichtiger ist ein regelmäßiges Monitoring und die Expertise von Arzt wie Patient.

Eine Frage der Applikation: Für die Behandlung der schubförmigen Multiplen Sklerose gibt es sowohl Spritzen als auch Kapseln.

Je wirksamer die Medikamente gegen Multiple Sklerose werden, desto stärker sind mitunter auch ihre Nebenwirkungen. Hinzu kommt bei Therapiewechseln möglicherweise ein Carry-Over-Effekt. D.h., dass zwischen zwei verschiedenen Immuntherapien oft eine Frist eingehalten werden muss, da sonst das zuvor genommene Medikament noch im Körper wirksam ist. Je mehr Therapiemöglichkeiten es gibt, desto wahrscheinlicher werden auch Therapiewechsel und damit das Risiko eines Carry-Over-Effekts.

Viele Nebenwirkungen sind zwar harmlos, aber störend. Dazu zählen zum Beispiel Hautirritationen oder auch leichte Kopfschmerzen. Daneben gibt es jedoch auch sehr schwerwiegende Nebenwirkungen, die unter Umständen sogar tödlich sind. PML ist ein Beispiel dafür. Ebenso Leberversagen oder Bradykardie, eine Verlangsamung der Herzfrequenz.

Ausführliche Anamnese und gründliches Monitoring

Die meisten Nebenwirkungen sind mit der Zulassung der Medikamente bereits bekannt und im Beipackzettel aufgeführt. Für einige der Multiple Sklerose-Therapien sind vorab Untersuchungen notwendig. Diese sollen zum Beispiel ausschließen, dass bereits Leber- oder Herzschädigungen vorliegen oder die Blutwerte schon vor der Behandlung im grenzwertigen Bereich sind.

Wichtig ist jedoch auch das Monitoring während und eventuell sogar noch nach der Behandlung. Denn immer wieder gibt es Einzelfälle schwerwiegender Nebenwirkungen und sogar Todesfälle. Erst kürzlich hatte AMSEL.DE über einen PML-Fall unter Ocrelizumab berichtet. Hier könnte ein Carry-Over-Effekt von Natalizumab vorliegen. Bei Natalizumab ist die PML-Gefahr bekannt. JC-Virus-positive Patienten, die den Wirkstoff länger als 24 Monate nehmen, haben ein PML-Risiko von über einem Prozent.

Für Daclizumab hat die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) erst in diesem Monat ein Pharmakovigilanz-Verfahren eingeleitet, nachdem eine deutsche Patientin nach nur vier Behandlungen an Leberversagen gestorben war. Das Paul-Ehrlich-Institut hat Meldungen über Verdachtsfälle von Nebenwirkungen zu Alemtuzumab mit dem in der Fachinformation beschriebenen bekannten Nebenwirkungsprofil im Hinblick auf neue Signale verglichen. Es ist bekannt, dass Alemtuzumab weitere Autoimmunerkrankungen auslösen kann: etwa die Autoimmunthyreoiditis oder Morbus Basedow. In Einzelfällen traten die Nebenwirkungen noch Monate nach dem letzten Behandlungszyklus auf.

Momentan gehäufte Berichte von Einzelfällen veranlassten das Krankheits-Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKNMS), auf die Wichtigkeit von Sicherheitsmaßnahmen hinzuweisen. Aufgrund ihres Wirkmechanismus seien unter Immuntherapeutika gegen MS Kollateral-Effekte auf die Immunkompetenz möglich, so das KKNMS. "Die vorliegenden Fälle zeigen erneut, wie wichtig eine gründliche Anamnese, eine engmaschige Überwachung und die konsequente Einhaltung von Sicherheitsmaßnahmen vor und während der Behandlung sowie bei Therapieumstellung sind“, so Prof. Dr. Heinz Wiendl, Direktor der Klinik für Allgemeine Neurologie am Universitätsklinikum Münster und stellv. KKNMS-Vorstandssprecher. Die Behandlung mit Immuntherapeutika solle in Rücksprache mit erfahrenen Experten erfolgen, um das Sicherheitsrisiko für Patienten zu minimieren. Das Qualitätshandbuch Multiple Sklerose mit unabhängigen Therapieempfehlungen informiert behandelnde Ärzte umfassend über mögliche Risiken und erforderliche Monitoring- und Sicherheitsmaßnahmen.

Aufgeklärte Patienten sind aufmerksam

Die Europäische Arzneimittelagentur EMA startet ein Schiedsverfahren bezüglich Daclizumab aufgrund des Todesfalles wegen Leberversagens bei einer deutschen Patientin. Das Paul-Ehrlich-Institut weist in diesem Kontext darauf hin, dass Patienten ihren behandelnden Arzt unverzüglich aufsuchen sollten, wenn sie Symptome entwickeln, die auf eine Lebererkrankung hinweisen. Dazu gehörten

  • Übelkeit,
  • Erbrechen,
  • Bauchschmerzen,
  • Müdigkeit,
  • Appetitlosigkeit,
  • gelbliche Verfärbung der Haut und der Lederhaut des Auges (Skleren) sowie
  • dunkler Urin.

Auch die Aufmerksamkeit der Patienten ist also gefragt.

Auch in MS-DocBlog.de sind Nebenwirkungen ein Thema.

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