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Wirkstoff-Studien

Remyelinisierung bei Multipler Sklerose möglich ?

02.12.2014 - Kalifornische Wissenschaftler wollen mit Indazol-Chlorid einen Wirkstoff gefunden haben, der - im Labor - nicht nur Symptome stoppen, sondern schutzlose Axone auch wieder mit Myelin ummanteln kann.

Eine Nervenzelle: In der Mitte der Zellkörper, daran die astartig verzweigten Dendriten, senkrecht und von Myelin (in blau) umhüllt: die Axone (Zellfortsätze). Die weißen Punkte stellen den Nervenreiz dar, der über die Dendriten zum Zellkörper kommt und blitzschnell über die Axone weitergeleitet wird.

Derzeit sind etwa zehn krankheitsmodifizierende Wirkstoffe gegen Multiple Sklerose auf dem Markt. Sie können künftigen Schaden eindämmen und Schübe reduzieren. Weltweit suchen Wissenschaftler jedoch verstärkt nach Substanzen, die bereits geschädigte (demyelinisierte) Nerven wieder reparieren können.

Ein Team kalifornischer Wissenschaftler der University of California, Riverside berichtet nun in den Proceedings of the National Academy of Sciences, dass es mit Indazol Chlorid ein solches Medikament im Labor - d.h. bisher nur an Versuchstieren - identifiziert habe. Indazol Chlorid habe das Potenzial, MS-Symptome zu stoppen und sogar (teilweise) umzukehren. Damit seien nicht nur MS-Schäden einzudämmen, sondern die Substanz könne auch bei Hirn- oder Rückenmarksverletzungen helfen, so Prof. Seema K. Tiwari-Woodruff, die Leiterin der Studie.

Indazol Chlorid (Ind-Cl) ist eine chemische Verbindung, die einen Östrogen-Rezeptor (ERβ) stimuliert. Bekannt ist schon lange, dass schwangere Frauen mit MS in ihrem dritten Trimester fast völlig von MS-Symptomen befreit sind. Schuld sind die zu dieser Zeit sehr hohen Östrogenspiegel; mit ihren neuroprotektiven Vorteilen lindern sie MS-Symptome. Nach der Geburt des Babys fallen die Östrogenspiegel wieder und die MS-Symptome kehren zurück.

Ohne Östrogen-Nebenwirkungen

Östrogen wird bereits länger zur Behandlung der Multiplen Sklerose erforscht, AMSEL.DE hatte berichtet. Allerdings brachten die bisher getesteten Wirkstoffe schwerwiegende Nachteile mit sich: Brust- und Gebärmutterkrebs für Frauen, eine Verweiblichung bei Männern. Das soll anders sein bei Ind-Cl: Seine strukturell einzigartigen Liganden sollen die körpereigenen Östrogen-Rezeptoren anschalten, und zwar ohne die negativen Auswirkungen eines erhöhten Östrogenspiegels.

Ind-Cl hemme selektiv die Entzündung des zentralen Nervensystems. Bei den Mäusen tat es dies dauerhaft. Noch bedeutender aber mag sein, dass es remyelinisiert, also neue Markscheiden bildet rund um die Axone. Dies bedeutet, dass Ind-Cl nicht nur Entzündungen hemmt, sondern außerdem Axondegeneration reduzieren und so die neuronale Funktion entmyelinisierter Axone wiederherstellen kann.

Interessant für progressive Multiple Sklerose

Es arbeite, auch das haben Studien mit Mäusen ergeben - auf 2 Ebenen: Über das Immunsystem durch Unterdrücken von Entzündungen und durch direkte Remyelinisierung. Dies würde einen Wirkstoff - wenn er erst entwickelt und auch sicher ist - nicht nur für den schubförmigen, sondern ebenso für den progressiven Verlauf interessant machen. Hier gibt es bislang noch keine krankheitsmodifizierenden Therapien.

Tiwari-Woodruff meint, Ind-Cl könne optimiert werden, um MS-Symptome noch besser lindern zu können. Vier Analoga von Ind-Cl seien bereits identifiziert und würden in Kürze an Mäusen getestet. Einige dieser Analoga, so vermutet Tiwari-Woodruff, würden in Kürze zur klinischen Studie angemeldet. Die Forschung wurde unterstützt durch Zuschüsse aus der National Multiple Sclerosis Society und des National Institute of Health.

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