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MS-Forschung allgemein

Paradigmenwechsel in der MS-Therapie und gemeinsam agierende Immunzellen

12.12.2017 - Vor über 200 Gästen in Stuttgart erhielten Prof. Ludwig Kappos den Sobek-Forschungspreis 2017 und Dr. Anneli Peters den Sobek-Nachwuchspreis für ihre herausragenden Leistungen auf dem Gebiet der Multiplen Sklerose. - Zum ersten Mal an der Musikhochschule. Mit Bildergalerie.

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Wissenschaftler aus Basel und Martinsried/München wurden am 8.12.17 für ihre Forschungen zur Multiplen Sklerose mit den Preisen der Sobek-Stiftung ausgezeichnet.

Im feierlichen Rahmen und vor über 200 Gästen aus Wissenschaft, Forschung und Politik sowie MS-Betroffenen und ihren Angehörigen ging vergangenen Freitag der mit 100.000 Euro dotierte Sobek-Forschungspreis an Prof. Dr. med. Dr. h. c. mult. Ludwig Kappos. Der Sobek-Forschungspreis der Roman, Marga und Mareille Sobek-Stiftung steht unter der Schirmherrschaft des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Baden-Württemberg. Ulrich Steinbach, ebendort Ministerialdirektor und  Laudator für Prof. Ludwig Kappos, hob zwei MS-Forschungsgebiete des herausragenden Wissenschaftlers und Neurologen aus Basel hervor: die Entwicklung von Therapiestandards für multizentrische klinische Studien und die Forschung im Bereich paraklinischer Laboruntersuchungen und bildgebender Verfahren.. Der Sobek-Forschungspreis ist mit 100.000 Euro dotiert.

Wie das richtige Medikament wählen?

Prof. Dr. med. Dr. h. c. mult. Ludwig Kappos gab selbst Einblick in die "Werkstatt der Therapieforschung". Der Chefarzt des Universitätsspitals Basel fragte sehr praxisnah, was ebenso viele Patienten beschäftigt angesichts von rund 14 zugelassenen Wirkstoffen: Wie das richtige Medikament wählen? Hier wäre es hilfreich, wenn man für jeden Patienten voraussagen könnte, wie seine MS verläuft. Eigene Beobachtungen könnten nämlich täuschen, denn die Fähigkeit des Gehirns sich zu reorganisieren, vertusche womöglich in früheren Phasen den kontinuierlichen Fortschritt des tatsächlichen strukturellen Schadens. Die Kriterien zur Messung des Verlaufs wären also zu verbessern. Neben den drei bekannten NEDA-Faktoren (No Evidence of Disease Activity):

  1. Läsionen in MRT
  2. Schübe
  3. Behinderungsprogression

könnte ein vierter Faktor NEDA ergänzen:

   4.  Hirnvolumenminderung

Eine Hirnvolumenminderung ist normal für alle Menschen jenseits des 20. Lebensjahres. Bei MS-Betroffenen ist sie jedoch deutlich erhöht und sie korreliert mit einer Behinderungsprogression. Allerdings ist sie per MRT schwer zu messen. Es gibt jedoch einen Marker im Blut, der helfen könnte, die Hirnvolumenminderung vorauszusagen: die Neurofilamente. Studien zeigten, dass man sich mit ihrer Hilfe früher und besser ein Bild machen kann über die mögliche individuelle Krankheitsentwicklung. Und dies wiederum könne helfen, die Eingangsfrage nach dem richtigen Medikament zu beantworten: Ist die Therapie richtig angesetzt? Oder ist eine Eskalation (ein stärkeres Medikament) nötig?

Der Professor für Neurologie an der Universität Basel betonte in seinem Vortrag die Bedeutung der Kernspin-Bildgebung. Sie zeige, dass ein Vielfaches an Entzündungen im Zentralen Nervensystem stattfinde als sich tatsächlich in Form von Schüben zeige. Dieser Umstand helfe gerade auch in Studien, die Wirksamkeit von Substanzen innerhalb eines relativ kurzen Zeitraumes zu erkennen.

Die Rollen verschiedener Immunzellen bei Multipler Sklerose

Prof. Dr. med. Klaus V. Toyka übergab den mit 15.000 Euro dotierten Sobek-Nachwuchspreis an Dr. rer. nat. Anneli Peters. Die 35-jährige Mutter hat, so ging aus der Laudatio des Vorsitzenden des wissenschaftlichen Beirates der Stiftung hervor, bereits Herausragendes geleistet. Nicht nur widmete sie ihre Masterarbeit der Frage der Immunologie des adaptiven Immunsystems bei Multipler Sklerose. Die Biochemikerin wollte wissen, "ob ihre Arbeit Sinn hat", so Toyka, und überprüfte dies in einem Praktikum bei dem früheren Sobek-Preisträger Prof. Ralf Gold. Ihr Promotionsthema in Boston beschäftigte sich mit pathogenen Th17, Th1 und B-Zellen in der Autoimmunität des Zentralen Nervensystems.

Vor den Gästen im Konzertsaal im Turm fasste sie ihre Ergebnisse in einem Kurzvortrag "B-Zellen und Th17-Zellen treiben den Entzündungsprozess im MS-Gehirn gemeinsam voran" zusammen: Sowohl Th1- als auch Th17-Zellen erzeugten Entzündungen im Mausgehirn. Im Unterschied zu Th1-Zellen ziehen Th17-Zellen jedoch besonders B-Zellen an. Ihre weitere Arbeit wird sich – mit Unterstützung des Sobek-Preisgeldes – unter anderem der Frage widmen: "Fördern Th17-Zellen die schlechten Eigenschaften von B-Zellen?"

Epstein-Barr-Virus als Umweltfaktor für MS

Drei Hauptbestandteile hat jede Sobek-Forschungspreisverleihung: Der Hauptpreisträger sowie der Nachwuchspreisträger – heuer wie erwähnt eine Preisträgerin – stellen ihre Arbeiten vor. Außerdem berichtet ein früherer Hauptpreisträger, wie er sein Forschungsgeld eingesetzt hat, dieses Jahr Prof. Dr. rer. nat. Christian Münz, Sobek-Forschungspreisträger 2012, über seine Forschungsergebnisse zu den Ursachen der MS. Münz und sein Team konnten feststellen, dass eine EBV-Infektion ein Hauptumweltfaktor für MS ist. Zwar tragen ca. 90 % aller Menschen über 40 Jahre Antikörper gegen EBV in sich, kommen jedoch genetische Prädisposition (HLA-DRB1*1501) und eine EBV-Infektion zusammen, dann geschieht zweierlei: Die Immunabwehr wird stärker aktiviert, kann aber dennoch die Infektion nicht besser kontrollieren und es kann eine Multiple Sklerose entstehen.

Prof. Jost Goller freute sich im Namen der Sobek-Stiftung, der AMSEL sowie des DMSG Bundesverbandes über den neuen Ort für die feierliche Übergabe des europaweit höchstdotierten Forschungspreises auf dem Gebiet der Multiplen Sklerose. Zum ersten Mal nämlich trafen sich Preisträger, Laudatores und Gäste im dreigeschossigen Konzertsaal im Turm der Musikhochschule Stuttgart, dem "Musikzimmer des Landes", wo Organist Prof. Jürgen Essl mit viel virtueller Hand- und Fußarbeit für den festlich-musikalischen Rahmen sorgte.

Redaktion: AMSEL e.V.

 

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