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MS-Forschung allgemein

Multiple Sklerose: Zeit ist Hirn

26.02.2016 - Möglichst frühe Diagnose, möglichst frühe Therapie - das unterstreicht der Bericht "Hirngesundheit: Zeit spielt eine Rolle bei MS".

Multiple Sklerose führt zum Verlust von ZNS-Gewebe. Untergegangenes Nervengewebe bleibt für immer verloren. Darum erstellte ein internationales Team von MS-Spezialisten um Prof. Gavin Giovannoni den englischsprachigen Bericht "Brain Health - Time matters in Multiple Sclerosis" (Pdf).

The Brain health: time matters in Multiple Sclerosis - Bericht, Gavin Giovannoni e.a.

Obwohl Reparaturmechanismen im ZNS arbeiten, ist die Reparatur oft unvollständig, einiges an Nervengewebe wird irreversibel zerstört und das Gehirn beginnt zu verkümmern. Einen Verlust an Hirnvolumen gibt es auch beim gesunden Menschen als ganz normale Alterserscheinung.  Bei gesunden Erwachsenen misst man eine sog. Atrophie von 0,1-0,5 % je Jahr. Bei unbehandelten Patienten mit MS beträgt die Rate dagegen 0.5–1.35 % pro Jahr.

Was wir von der MS bemerken, ist nur die Spitze des Eisbergs

Volumenverlust beginnt schon früh, oft bereits vor Diagnosestellung. Dass dies zunächst meist nicht bemerkt wird, liegt an der Regenerationsfähigkeit des Gehirns sowie an seiner neurologischen Reserve. Das Gehirn kann sich selbst bis zu einem gewissen Grad reparieren (auch diese Fähigkeit nimmt mit dem Alter ab). Und, davon geht man heute aus, es besitzt eine Art neurologischer Reserve, also die Fähigkeit, Aufgaben trotz Schäden noch zu erfüllen, etwa durch "Umwege" auf den Nervenbahnen. Erst wenn weder neurologische Reserve noch Reparatur den Schaden mehr ausgleichen können, merken wir das an Behinderungen oder dem Verlust von Fähigkeiten. Oft erfolgt erst dann der Gang zum Arzt. Umso wichtiger ist es also, schnell zu diagnostizieren.

In dem ausführlichen Bericht, untermauert mit statistischen Zahlen, Tabellen, Schaubildern und Grafiken, geht es darum, wie durch rechtzeitiges Handeln der Zuwachs an Behinderungen durch die MS (noch stärker) gebremst werden kann. Klar ist es wichtig, so früh als möglich eine Diagnose zu erhalten, um therapeutisch (verlaufsmodifizierend wie symptomatisch) Einfluss auf die Lebensqualität von Menschen mit MS zu nehmen.

Therapieziel setzen und stets prüfen

Doch das "hirngerechte Handeln" fängt nicht erst mit der beschleunigten Diagnose an, sondern der erste Schritt liegt beim Patienten selbst: Bei bestimmten Symptomen den (Haus-) Arzt zu konsultieren. Darum ist es wichtig, dass die breite Öffentlichkeit über Multiple Sklerose Bescheid weiß und beispielsweise Doppelbilder, Blasen- oder Gangstörungen nicht unbeachtet lässt. Als nächstes: möglichst schnell zum Facharzt. Wünschenswert wäre es, bei Verdacht auf MS gleich einen Termin in einem MS-Zentrum wahrzunehmen. Dort sind die Spezialisten für diese Erkrankung und dort gibt es auch MRT und andere Diagnosemöglichkeiten.

Ist die Diagnose gestellt, kann ein Therapieziel und ein dazu passendes Therapeutikum sowie begleitende Therapien wie etwa Neurorehabilitation gewählt werden. Die Therapie bzw. die Therapien sollten dann auch direkt umgesetzt werden. Doch damit ist die "Timeline" nicht abgeschlossen.

Spricht ein Patient nicht genügend an auf die gewählte Behandlung, wird also das gesetzte Therapieziel nicht erfüllt, gilt es erneut, keine Zeit zu verlieren, sondern nach Abwägung eventuell die Behandlung zu wechseln. Ebenso bei Nebenwirkungen oder wenn ein Patient ein hohes Risiko für besonders schwere Nebenwirkungen trägt. Inzwischen kann MS zwar noch nicht geheilt werden, doch gerade für die schubförmige Multiple Sklerose steht inzwischen eine große Palette an Therapieoptionen zur Wahl.

"Zeit ist Gehirn"

Das Expertenteam um Professor Gavin Giovannoni betont, wie wichtig es ist, zeitnah zu handeln, denn "Time is Brain", wie Giovannoni die Aussage des Berichts auf eine kurze Formel verdichtet. Außerdem empfehlen die Experten, einen "gehirngesunden" Lebensstil. Das schließt mit ein, dass auch andere chronische Erkrankungen wie Herzkrankheiten oder hoher Blutdruck gemanagt werden, denn Komorbiditäten haben ebenso einen Einfluss auf die MS des Einzelnen. Auf Alkohol zu verzichten oder den Konsum zu reduzieren. Rauchstopp etc.

App MS Kognition, Übung Getränkeausschank Nicht zuletzt möchte AMSEL auf das Onlinetrainingstool mit Spaßfaktor hinweisen: "MS Kognition - Stärke Deine Fähigkeiten" bietet ein Trainingsprogramm für alle, die ihren "Hirnmuskel" trainieren wollen. Hier fangen Sie bunte Fische, bedienen die Gäste eines Cafés oder entwirren einen Silbensalat. Und üben dabei spielerisch kognitive Funktionen wie Planen, Handeln und Konzentration.

Quelle: MS Brain Health, 2016; MSIF, Februar 2016.
Redaktion: AMSEL e.V.

 

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