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Hirnmechanismus für Fatigue-Symptom im MRT gezeigt

11.12.2017 - Ärzte und Wissenschaftler aus Konstanz und Heidelberg haben Funktionsveränderungen in unterschiedlichen Hirnnetzwerken nachweisen können.

Ein häufiges und oft auch eines der störendsten Symptome bei Multipler Sklerose ist Fatigue - die abnorme Ermüdbarkeit.

Die Fatigue gehört zu den unsichtbaren Symptomen der MS. Über 80 % der Multiple Sklerose Kranken leiden unter dieser erhöhten Grundmüdigkeit, die über den Tag zunimmt und sich deutlich von der Müdigkeit unterscheidet, wie sie gesunde Menschen erleben. Zudem besteht noch eine erhöhte Erschöpfbarkeit, wenn MS-Erkrankte kognitive oder motorische Tätigkeiten ausführen. Für jeden dritten MS-Erkrankten ist Fatigue das am meisten belastende Symptom der Erkrankung. Die Ursachen sind derzeit noch unbekannt.

Durchbruch beim Verständnis der Fatigue

Ein Team von Ärzten und Wissenschaftlern unter der Leitung der Professoren Dettmers und Schoenfeld aus den Kliniken Schmieder Konstanz und Heidelberg hat mittels funktioneller Kernspintomographie zeigen können, dass die abnorme Grundmüdigkeit und die abnorme Erschöpfbarkeit sich in unterschiedlichen Hirnnetzwerken widerspiegeln. "Zum ersten Mal ist es gelungen, Funktionsveränderungen in unterschiedlichen Hirnnetzwerken der Patienten nachzuweisen", so der Stefan Spiteri.

Der wissenschaftliche Mitarbeiter des Lurija Instituts hat im Rahmen seiner Promotionsarbeit neuronale Korrelate der Fatigue mittels funktioneller Bildgebung bei 40 Patienten mit Multipler Sklerose im Vergleich zu 22 gesunden Probanden untersucht. Im Scanner mussten Patienten und Probanden eine Aufgabe lösen, die über einen Zeitraum von etwa 30 Minuten kontinuierlich hohe Konzentration voraussetzte. Die durch die Aufgaben erfolgte Erschöpfung wurde zum einen als subjektive Empfindung, aber auch als objektive Veränderung der Leistung erfasst. Das Ergebnis: Die abnorme Grundmüdigkeit spiegelte sich wider in Veränderungen der Aktivität in höheren Kontrollnetzwerken des Vorderhirns. Demgegenüber beobachteten die Wissenschaftler eine Abnahme der Aktivität in visuellen Aufmerksamkeitsnetzwerken des Hinterhaupthirns, die mit der abnormen Erschöpfbarkeit während der bearbeiteten visuellen Arbeitsgedächtnisaufgabe einherging.

Die Erkenntnis, dass Ermüdung und Ermüdbarkeit bei Erkrankten mit MS unterschiedliche hirnfunktionelle Korrelate haben, trägt wesentlich zum Verständnis dieser Symptome bei. Sie dient als Basis für die Entwicklung neuer Behandlungsansätze, zum Beispiel durch transkranielle elektrische oder magnetische Stimulation der entsprechenden Hirnareale.

Originalpublikation:
Spiteri S, Hassa T, Claros-Salinas D, Dettmers C, Schoenfeld MA.
Neural correlates of effort-dependent and effort-independent cognitive fatigue components in patients with multiple sclerosis
Mult Scler. 2017 Nov 1:1352458517743090. doi: 10.1177/1352458517743090. [Epub ahead of print]

 


 


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