Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e. V (DMSG)

Medizin/Therapie

Suche

   News > Medizin/Therapie > Entstehung der MS

Inhaltsbereich

Entstehung der MS

Kurzschluss in den Nervenzellen

Hopp oder topp? Sekunden entscheiden über das Leben einer Nervenzelle. Würzburger Wissenschaftler konnten beobachten, wie Immunzellen Nervenzellen bei Multipler Sklerose attackieren. Der Vorgang lief schneller ab als erwartet.

Bei Krankheiten wie der Multiplen Sklerose greifen Zellen des Immunsystems Nervenzellen in Gehirn und Rückenmark an. Wissenschaftlern der Universität Würzburg ist es jetzt gelungen, diesen Angriff detailliert zu beobachten und zu beschreiben.
Das Prinzip ist immer das gleiche: Zellen des Immunsystems, die eigentlich fremde Krankheitserreger bekämpfen sollten, wandern ins Gehirn und ins Rückenmark und greifen dort Nervenzellen an.

Eine einzelne Immunzelle (rot) nimmt Kontakt auf mit einer Nervenzelle (grün) und löst dort einen "Kurzschluss" aus. Foto: Forschungsgruppe Multiple Sklerose und Neuroimmunologie, Uni Würzburg.
vergrösserte AnsichtEine einzelne Immunzelle (rot) nimmt Kontakt auf mit einer Nervenzelle (grün) und löst einen "Kurzschluss" aus. Foto: Uni Würzburg.
Das bekannteste Beispiel für solch eine Autoimmunerkrankung ist wahrscheinlich die Multiple Sklerose. Die Immunzellen, so genannte T-Zellen, zerstören die Isolationsschicht der Nervenzellen und rufen über das gesamte Zentrale Nervensystem verstreut chronische Entzündungen hervor. Wie die zerstörerische Arbeit dieser Zellen abläuft, konnten jetzt Professor Heinz Wiendl und Dr. Sven Meuth aus der Forschungsgruppe "Multiple Sklerose und Neuroimmunologie" der Universität Würzburg beobachten.

"Es ist uns gelungen, die Interaktion zwischen einzelnen Immunzellen und isolierten Nervenzellen darzustellen und funktionell zu charakterisieren", sagt Heinz Wiendl. Dafür haben die Wissenschaftler eine spezielle Zeitraffer-Mikroskopietechnik mit zeitlich hochauflösenden elektrophysiologischen Techniken kombiniert.

Nach dem Kurzschluss kommt Erholung oder Tod
Von den Ergebnissen dieser Beobachtungen waren die Wissenschaftler selbst überrascht: "Unter den entsprechenden experimentellen Bedingungen suchen T-Zellen ihre Zielzelle und greifen sie an", erklärt Sven Meuth. Das Ergebnis: In der Nervenzelle kommt es zu einer Art elektrischem Kurzschluss; sie verliert ihre Funktion. Dann stehen zwei Möglichkeiten offen: Entweder die Zelle erholt sich von diesem Angriff und nimmt ihre Arbeit wieder regulär auf. Oder sie stirbt.

Verantwortlich dafür sind zwei Substanzen, die die T-Zellen bei ihrem Angriff freisetzen: Das Molekül Perforin, das einen Anstieg von Kalzium-Ionen in den Nervenzellen bewirkt und damit die elektrischen Eigenschaften der Zellen verändert. Und das Enzym Granzym B, das einen wesentlichen Beitrag zum Tod der Nervenzellen zu leisten scheint.

Reaktion schon nach wenigen Sekunden
"Mit dieser Arbeit konnte erstmals gezeigt werden, wie T-Zellen Nervenzellen im Zentralen Nervensystem aufsuchen, erkennen und mit ihnen interagieren", sagt Heinz Wiendl. Neu und überraschend sei dabei die Erkenntnis gewesen, dass Nervenzellen schon sehr kurzfristig, also wenige Sekunden nach dem Kontakt mit den T-Zellen, elektrisch "stillgelegt" werden, was Konsequenzen sowohl für die einzelne Zelle als auch das gesamte Netzwerk mit sich bringt.

Kernbefunde der Arbeiten stammen von Alexander Herrmann und Ole Simon, die sich im Rahmen ihrer Promotionen in die neuen Techniken eingearbeitet haben. Zudem bestanden Kooperationen mit den Physiologischen Instituten der Universitäten Münster und Magdeburg sowie mit der Charité Berlin. Die Forschungsarbeiten wurden gefördert vom Würzburger Sonderforschungsbereich 581 sowie dem Interdisziplinären Zentrum für klinische Forschung (IZKF) des Universitätsklinikums.

Literatur: "Cytotoxic CD8+ T Cell–Neuron Interactions: Perforin-Dependent Electrical Silencing Precedes But Is Not Causally Linked to Neuronal Cell Death”. Sven G. Meuth, Alexander M. Herrmann, Ole J. Simon, Volker Siffrin, Nico Melzer, Stefan Bittner, Patrick Meuth, Harald F. Langer, Stefan Hallermann, Nadia Boldakowa, Josephine Herz, Thomas Munsch, Peter Landgraf, Orhan Aktas, Manfred Heckmann, Volkmar Lessmann, Thomas Budde, Bernd C. Kieseier, Frauke Zipp, and Heinz Wiendl. The Journal of Neuroscience; doi:10.1523/JNEUROSCI.4339-09.2009

Quelle: Pressemitteilung der Universität Würzburg, 11.03.10
Redaktion: AMSEL e.V., 16.03.10

Letzte Änderung: 16.03.2010

Weitere Artikel zum Thema

Alle Artikel zum Thema


Navigation Inhaltsboxen

Unabhängige Beratung

Antworten zu pflegerischen und medizinischen Fragen

Mechthild Zeh berät Betroffene und Angehörige im Service-Center der AMSEL.

MS-Schwestern-Sprechstunde im Stuttgarter Service-Center.

  • Termine: 0711 / 69786-30

Studien zu MS

Weltweit wird die Multiple Sklerose intensiv erforscht und Studienteilnehmer gesucht. Im Netz gibt es verschiedene Überblicksseiten. 

Wechseln zu: Geschichte der Multiple Sklerose
Wechseln zu: www.emotional-science.de

Teilnehmer gesucht

Menschenmenge

Weltweit sind neue Wirkstoffe gegen MS im Test. Interessenten können sich zur Teilnahme melden.

Kurz vorgestellt

zum Artikel: Pflege bei MS Pflege bei MS

Die Broschüre für Erkrankte und Betreuer. Bestellen? Im AMSEL-Shop. mehr ...

zum Artikel: AMSEL-Expertenrat AMSEL-Expertenrat

Die Neurologen des Ärztlichen Beirats antworten Ihnen. Einfach per Mail. mehr ...

Online spenden

Logo Online Spenden

Helfen Sie mit Ihrer Spende!
Mehrere Spendenmöglichkeiten stehen zur Auswahl.

eTrain MS

Logo Online eTrain MS

Lernprogramm zu Multiple Sklerose. Wissen erwerben und überprüfen.

MS verstehen

Logo MS verstehen

Verstehen Sie die biologischen und neurologischen Vorgänge die sich bei MS abspielen.

Kinder und MS

Logo Kinder und MS

Kinder- und Jugendportal zum Thema Multiple Sklerose

Eine W3 WERK Produktion © AMSEL e.V. 2010. Alle Rechte vorbehalten Impressum