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Den Begriff Freiheit durchbuchstabieren

23.01.2018 - Landesbischof Frank Otfried July sprach auf dem Neujahrstreffen der AMSEL vor rund 150 Gästen über "Christliche Freiheit und ihre Rolle für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft". Mit Bildergalerie.

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Gastredner des traditionellen Neujahrstreffens der AMSEL war 2018 Dr. h.c. Frank Otfried July, Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Zum dritten Mal schon eröffnete die AMSEL das neue Geschäftsjahr offiziell im beeindruckenden Ambiente der Sparkassenakademie nahe dem Hauptbahnhof Stuttgart. Der AMSEL-Vorsitzende Prof. Dr. med. Horst Wiethölter blickte zurück auf das Jahr 2017. Geschäftsführer Götz Zipser umriss die Vorhaben für das laufende Jahr.

Prof. Wiethölter dankte allen voran den ehrenamtlichen Mitarbeitern, dankte den Förderern aus Politik und Wirtschaft, Kassen, Kliniken und Verbänden sowie den Geschäftspartnern der AMSEL für das Geleistete im zurückliegenden Jahr. Als besondere Projekte hob der Vorsitzende hervor:

  • das Virtuelle Gehirn der AMSEL. Ein digitales Instrument für Fachleute zur Aufklärung von Laien über die Krankheit Multiple Sklerose. Es kam zum ersten Mal bei den insgesamt fünf Veranstaltungen rund um den Welt MS Tag 2017 zum Einsatz.
  • AMSEL Regional, die moderne Präsentationsplattform für alle lokalen Gruppen der AMSEL. Professor Wiethölter erläuterte: „Sie bietet Besuchern die Möglichkeit, auf einer Karte in einem von ihnen gewünschten Radius eine AMSEL-Gruppe zu finden und sich über deren Angebote zu informieren."
  • das zweitägige Symposium "Gemeinsam gegen MS" ein Geschenk der AMSEL-Schirmherrin Ursula Späth an die MS-Betroffenen anlässlich ihres 35-jährigen Jubiläums mit zehn MS-Experten aus Deutschland und der Schweiz.
  • den Image-Flyer "Wir sind AMSEL.“ Und die Broschüre „Ich und die MS". Darin geht es um die Krankheitsverarbeitung und den aktiven und selbstbestimmten Umgang mit der Multiplen Sklerose.

AMSEL als gemeinschaftliche Erfolgsgeschichte

Rund 3000 Beratungskontakte gab es 2017, erläuterte der Vorsitzende, "darunter Anfragen, die kurz und knapp beantwortet werden konnten, aber auch beratungsintensive, bei denen mehrere Mitarbeiter im Beratungsteam gleichermaßen gefragt waren.“ Rund 15.000 Broschüren wurden versandt. Die hauptamtlichen Mitarbeiter haben 21 Fortbildungen für Ehrenamtliche angeboten und 30 Seminare und Fachvorträge in ganz Baden-Württemberg. 11.500 Fans hat mittlerweile die Facebook-Seite der AMSEL.

"AMSEL ist eine gemeinschaftliche Erfolgsgeschichte und ich hoffe, dass wir diese Geschichte gemeinsam weiterschreiben können, solange MS-Ekrankte uns als Partner brauchen.“ - Mit diesem Wunsch für 2018 beschloss Professor Wiethölter seinen Rückblick.

Ein großer und bunter Strauß an neuen Angeboten für 2018

An neuen Projekten wird es bei der AMSEL auch 2018 nicht mangeln. Geschäftsführer Götz Zipser umriss die Vorhaben für das bereits angelaufene Jahr. Unter anderem sind für 2018 geplant:

  • eine neu gegründete Regionalstelle in Südwürttemberg. Insgesamt verfügt die AMSEL dann über drei Regionalstellen im Land. 
  • Ein spezieller Workshop im April 2018 soll helfen, junge Mitglieder und junge Ehrenamtliche für die AMSEL zu gewinnen.
  • Der Welt MS Tag findet dieses Jahr am 30.05.2018 statt, wie immer am letzten Mittwoch im Mai. Vier große Veranstaltungen sind dazu in Baden-Württemberg von Seiten der AMSEL geplant.
  • Mitte des Jahres soll es mit AMSEL PLUS einen speziellen Mitgliederbereich mit zusätzlichen Infos und Angeboten nur für Mitglieder geben.
  • Insgesamt vier interne Workshops in ganz Baden-Württemberg werden das AMSEL-Konzept ÖMIS vorstellen. Die Workshopreihe nennt sich ÖMIS on Tour.
  • Das AMSEL-Ärztesymposium im September widmet sich gezielt dem Austausch und der Fortbildung von interessierten Ärzten.
  • „MS bewegt“, eine neue Trainings-und Bewegungsplattform.

Im Mittelpunkt - wie bei jedem Neujahrstreffen der AMSEL - stand jedoch der Gastvortrag, dieses Mal von Landesbischof Dr. h.c. Frank Otfried July und mit dem Titel "Christliche Freiheit und ihre Rolle für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft."

Gleich eingangs stellte der Kirchenmann fest, dass Freiheit nicht nur ein theologisches Grundsatzthema sei, sondern auch ein Thema des Alltags. Aktuell müsse man sich auch fragen, in den Kirchen wie außerhalb, was die Digitalisierung unserer Welt an Freiheit, aber auch an Unfreiheit bedeute. Die Evangelische Landeskirche entwickelt gerade zum Beispiel eine "digital Roadmap", die AMSEL eröffnete bereits 2016 eine "digitale Offensive". Später sagte er dazu, Digitalisierung müsse dem Menschen dienen und dürfe ihn nicht beherrschen.

Durchaus selbstkritisch gab er auch zu bedenken, dass die Kirche von außen nicht immer mit Freiheit in Verbindung gebracht würde, sondern durchaus auch mit Verboten wie Karfreitag ohne Tanz, sonntags keine Ladenöffnungen.

Der Begriff Freiheit kennt viele Facetten

Der Landesbischof schlug den rhetorischen Bogen weiter über die Themen  Familie und Verantwortung für Kinder, Partner, Eltern, über Flüchtlinge (die Freiheit, sich ein freies Land zum Leben auszusuchen, Flüchtlingsarbeit bewege sich in der Spannung von Freiheit und Beschränkung, wie der Landesbischof erst tags zuvor einmal mehr beim Besuch einer Heslacher Einrichtung erfuhr), die Gerechtigkeit, das Recht auf sauberes Wasser und medizinische Versorgung, die Freiheitsverantwortung gegenüber der Natur, Luthers Freiheitsbegriff, der im Lutherjahr ein Kernthema war, bis hin zu einem Freiheitsbegriff von Menschen mit Behinderungen ("Freiheit bedeutet für mich, wenn alles barrierefrei ist," sagte zum Beispiel ein Bewohner der Karlshöhe in Ludwigsburg, der im Rollstuhl sitzt). Und schloss daraus: "Deshalb ist Freiheit für mich ein Begriff, der in unserer Lebenswirklichkeit durchbuchstabiert werden muss und durchbuchstabiert werden kann."

Christliche Antwort auf die Frage nach Freiheit

Wieder bei Luther, erklärte July den Freiheitsbegriff des großen Kirchenreformers, die Trennung in innere und äußere Freiheit und Luthers Überzeugung, dass da etwas im Inneren des Menschen sei, das immer heil bliebe. Eine Würde, die man sich auch als äußerlich unfreier Mensch bewahren könne. Der christliche Freiheitsbegriff bedeute, dass wir uns [frei] entscheiden und binden könnten. "Weil wir diese Bindung an Gott haben, sind wir frei."

Was hält uns zusammen, was kann die christliche Botschaft, was können die Kirchen beitragen zum Zusammenhalt einer immer breiteren, vielgestaltigen, multikulturellen Gesellschaft? Freiheit als persönliche Autonomie und Unabhängigkeit? Nur auf den eigenen Weg schauen? Liegt nicht gerade in unserer individuellen Freiheit das Problem der Unverbindlichkeit? Diese Fragen stellt sich der Landesbischof. Da brauche es ein anderes Stichwort, um den Zusammenhalt wiederzufinden, die auch Menschen, die nicht glauben und Menschen mit anderem Glauben nützen könnten, so seine Überzeugung. "Zur Freiheit hat uns Christus befreit," zitiert July den Galaterbrief des Apostels Paulus, einen Herzsatz für Martin Luther.

Seinen Gastgeber lobte er: "AMSEL ist für mich ein wunderbares Beispiel, schon gleichsam eine Illustration dafür, wie sich Menschen mit jeweils persönlicher, individueller Freiheit und Lebensgestaltung und angesichts einer Herausforderung zusammenschließen und solidarisch in dieser Gesellschaft und dieser Frage zusammenhalten."

"Reha lohnt sich"

"Das Neujahrstreffen ist der ideale Rahmen, um Menschen zu danken, die sich herausragend für die AMSEL engagieren," hob Prof. Wiethölter zum letzten Programmpunkt - der Auszeichnung mit der AMSEL Ehrennadel in Gold - an. "Sie sind stets zur Seite, wenn die AMSEL Sie braucht. Sie setzen sich für das Recht auf Rehabilitation ein." - Diese Worte sprach Prof. Horst Wiethölter Juan Victor Coseriu Pisani zu und überreichte dem Leiter der Reha-Abteilung der DRV Baden-Württemberg die Goldene Ehrennadel der AMSEL. "Reha lohnt sich" sei Coseriu Pisanis innerste Überzeugung und sein Angebot zu helfen niemals nur Lippenbekenntnis gewesen. Im Gegenteil setzte er sich immer auch persönlich für Menschen mit Multipler Sklerose ein.

Eine weitere Ehrennadel geht an Sabine Lamprecht, Master of Science Neurorehabilitation, Physiotherapeutin, die am Neujahrtreffen wegen eines lange geplanten Auslandaufenthalts nicht teilnehmen konnte.

B.B.Q., das Benjamin Brodbeck Quartett sorgte für die musikalische Umrahmung des Neujahrstreffens.

AMSEL e.V. dankt der Sparkasse für die freundliche Unterstützung bei der Durchführung der Veranstaltung.

Redaktion: AMSEL e.V.

 

 

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