AMSEL - Aktion Multiple Skleroser Erkrankter - Landesverband der DMSG (AMSEL, Landesverband e.V.)
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Für Menschen mit Handicap

Drei Selbsthilfepreise und ein Innovationspreis

09.01.2008 - Hertie-Stiftung und die Stiftung MyHandicap zeichnen herausragendes Engagement und Innovationen im Bereich neurologischer Erkrankungen aus. Unter den Preisträgern: der Jurist Gert Uecker, Ehrenamtlicher beim DMSG-Bundesverband.

Karin Dieckmann aus Castrop-Rauxel, Gert Uecker aus Kiel und der "MS-Abendtreff" aus Amberg erhielten den mit insgesamt 25.000 Euro dotierten "Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe 2007". Der "Innovationspreis für Menschen mit Behinderung 2007" in Höhe von 10.000 Euro geht an Franz Spanke für die Entwicklung des "Mobilomat", ein für Parkinson-Erkrankte angepasster Rollator. Prof. Roland Martin, Direktor des Instituts für Neuroimmunologie und Klinische Multiple-Sklerose-Forschung (inims), war zu Gast in Frankfurt.

Gäste der Preisverleihung: Der Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe und der Innovationspreis für Menschen mit Behinderung 2007 wurden am 3.12.2007 in der Alten Stadtbibliothek in Frankfurt verliehen. In diesem Jahr richtete er sich an chronisch erk
Der Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe und der Innovationspreis für Menschen mit Behinderung 2007 wurden in der Alten Stadtbibliothek in Frankfurt verliehen. In diesem Jahr richtete er sich an chronisch erkrankte Einzelpersonen und Selbsthilfegruppen, die sich ehrenamtlich für andere Menschen einsetzen.
Modellhafte Aktivitäten von Selbsthilfegruppen und besonders engagierte Helfer im Bereich der Multiplen Sklerose und neurodegenerativer Erkrankungen (z.B. Parkinson- oder Alzheimer-Erkrankung) standen bei der Preisverleihung in der Alten Stadtbibliothek im Mittelpunkt. Der "Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe", der zum 16. Mal verliehen wurde, richtete sich 2007 an Einzelpersonen und Selbsthilfegruppen, die sich trotz eigener chronischer Erkrankung ehrenamtlich für andere Menschen einsetzen.

Zwei engagierte Helfer und eine MS-Selbsthilfegruppe teilen sich den mit insgesamt 25.000 Euro dotierten Preis. Der "Innovationspreis für Menschen mit Behinderung" in Höhe von 10.000 Euro wurde zum dritten Mal gemeinsam von der Stiftung MyHandicap und der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung verliehen. Er zeichnet innovative Produktentwicklungen aus, die den Alltag von Menschen mit neurologischen Erkrankungen oder Verletzungen erleichtern. Preisträger 2007 ist der Bauingenieur Franz Spanke, der einen Rollator speziell auf die Bedürfnisse von Parkinson-Erkrankten weiterentwickelt hat.

Roland Martin über Therapieaussichten bei MS

Im Festvortrag am 3. Dezember 2007 sprach Prof. Roland Martin, einer der weltweit führenden MS-Forscher, über den neuesten Forschungsstand und mögliche Therapien der Multiplen Sklerose. Er sei der festen Auffassung, dass in den kommenden Jahren entscheidende Schritte auf dem Weg zu einem besseren Verständnis und damit auch zur MS-Therapie gemacht werden können. "Voraussichtlich wird bereits in den nächsten Jahren ein als Tablette einnehmbares Medikament zur Verfügung stehen", erklärte Professor Martin in seinem Vortrag. "Ziel der Forschung ist es letztlich, verschiedene Subformen der MS so gut wie möglich zu charakterisieren, Biomarker zu finden, die prognostisch verwertbar sind und schließlich die wirksamste Behandlung für einen Patienten zu identifzieren."

Prof. Martin bewertete den internationalen Stand der MS-Forschung: Welche neuen Therapien sind für welche Krankheitsstadien und -verlaufsformen in der Entwicklung? Welche Zeiträume werden nötig sein, um die jüngsten Erkenntnisse für die Patienten nutzbar zu machen? In seinem Institut verfolgt er mehrere vielversprechende Ansätze, darunter eine Therapie mit natürlichem Phenol, das aus Olivenöl und Olivenblättern isoliert werden kann. Der Hertie-Stiftung war es über eine Stiftungsprofessur gelungen Prof. Martin nach Deutschland zu holen – er war zuvor in den USA Direktor der "Cellular Immunology Section" der renommierten National Logo Hertie-Preis 2007Institutes of Health.

Mit ihrem seit 1992 verliehenen "Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe" möchte die Stiftung den Erkrankten Mut machen und vorbildliche Aktivitäten würdigen. Den Hertie-Preis für Selbsthilfe und Engagement 2007 haben erhalten:

Gert Uecker aus Kiel

Gert Uecker engagiert sich seit 20 Jahren in Schleswig-Hostein für Menschen, die an Multipler Sklerose erkrankt sind. Als ausgebildeter Jurist übernimmt er beim Landesverband der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) die sozialrechtlichen Hilfestellungen.

Gert Uecker im Gespräch mit Moderator Henning Quanz.
vergrösserte AnsichtGert Uecker im Gespräch mit Moderator Henning Quanz.
Dabei sind insbesondere seine Formulierungshilfen und Schreiben an Institutionen und Behörden für die Betroffenen eine große Unterstützung. Herr Uecker nimmt regelmäßig an Veranstaltungen der DMSG teil und stellt dort den persönlichen Kontakt zu den Mitgliedern her. Außerdem vertritt er den Landesverband und die Interessen von MS-Betroffenen als Mitglied im Beirat für Menschen mit Behinderung der Stadt Kiel. Herr Uecker ist seit einem Unfall selbst schwerbehindert. Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung ehrte das herausragende Engagement von Herrn Uecker mit dem "Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe", verbunden mit einem Preisgeld von 7.500 Euro.

Karin Dieckmann aus Castrop-Rauxel

Karin Dieckmann ist seit 25 Jahren ehrenamtlich aktiv. Die gelernte Krankenschwester arbeitete u.a. in der Hauskrankenpflege der Caritas und ist nach wie vor als vom Amtsgericht bestellte Betreuerin tätig. Dieckmann hat in den vergangenen zehn Jahren drei Selbsthilfegruppen für Parkinson-Erkrankte in und um Castrop-Rauxel aufgebaut. Daneben arbeitet sie in der Multiple-Sklerose-Selbsthilfe mit. Sie ist Mitglied im Behindertenbeirat Castrop-Rauxel und in der Arbeitsgruppe "Mobilität und Barrierefrei". Karin Dieckmann leidet selbst unter einer schweren chronischen Erkrankung.
Für ihr herausragende Engagement wurde sie Dieckmann mit dem "Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe" ausgezeichnet, verbunden mit einem Preisgeld von 7.500 Euro.

MS-Abendtreff der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft Bayern e.V.

Die DMSG-Selbsthilfegruppe "MS-Abendtreff" wurde 1986 gegründet und hat derzeit rund vierzig Mitglieder, die unterschiedlich stark von der Erkrankung beeinträchtigt sind. Die Gruppe hat sich das Ziel gesetzt, füreinander da zu sein, um die durch die Diagnose Multiple Sklerose stark veränderte Lebenssituation besser ertragen zu können. Zu diesem Ziel gehört auch, sich für andere Menschen einzusetzen. Seit zehn Jahren übernehmen die Mitglieder des "MS-Abendtreffs" Patenschaften für Waisenkinder in Sri Lanka, die in Armut und ohne die Möglichkeit einer Schulausbildung aufwachsen. Durch die Hilfe der Gruppe bekommen 18 Kinder im Alter von fünf bis 13 Jahren Nahrung, Kleidung und Schulmaterialien. Die Gruppenleiterin Ellen Galle fährt einmal jährlich nach Sri Lanka, um vor Ort das Geld der Gruppenmitglieder sinnvoll einzusetzen. Mit dem "Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe" und einem Preisgeld von 10.000 Euro ehrte die Gemeinnützige Hertie-Stiftung das beeindruckende Engagement der Mitglieder des "MS-Abendtreffs".

"Innovationspreis für Menschen mit Behinderung" 2007 an Franz Spanke aus Rheine

Franz Spanke, Bauingenieur aus Rheine, wurd für die Erfindung des "Mobilomat" mit dem "Innovationspreis für Menschen mit Behinderungen 2007" mit einem Preisgeld von 10.000 Euro ausgezeichnet. Der "Mobilomat" ist ein für Parkinson-Erkrankte weiterentwickelter Rollator - eine Gehilfe auf Rädern, mit deren Hilfe man Treppenstufen simulieren und Gehsteige besser überwinden kann und der eine umgekehrte Bremsfunktion hat. Zusatzfunktionen können wahlweise ergänzend an den Rollator angebracht werden, wie beispielsweise ein Lautsprechernotruf und andere zusätzliche Hilfsmittel, die dazu dienen, eingefrorene Bewegungen, das sogenannte Freezing zu überwinden. Spanke ist selbst an Parkinson erkrankt und kennt durch die Bekanntschaft mit anderen Parkinson-Erkrankten und Behinderten viele Probleme, die ihnen den Alltag erschweren. Unter anderem erfuhr er von Problemen im Umgang mit einem handelsüblichen Rollator und begann mit der Entwicklung von Hilfen, die den Rollator für Parkinsonpatienten besser nutzbar machen sollten. Den umgebauten Rollator hat Spanke "Mobilomat" genannt, weil es selbst Freezingpatienten mit seiner Hilfe möglich ist, sich auch in den sogenannten OFF-Phasen fortzubewegen, also mobil zu sein.

Quelle: Pressemitteilung Gemeinnützige Hertie-Stiftung, 03.12.07
Redaktion: AMSEL e.V.

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