Pflege und Betreuung

Nix geht mehr ohne Zivi?

08.02.2011 - Vor allem Betroffene leiden unter dem Mangel, so der Paritätische. Rund 20 Zivildienststellen bei der AMSEL sind betroffen.

Mit dem Wehrdienst soll auch der Zivildienst ab 1. Juli 2011 für zunächst zwei Jahre ausgesetzt werden. Damit hat der Ausverkauf des Zivildienstes auf Raten seinen vorläufigen Höhe- und Schlusspunkt erreicht, so der Paritätische Wohlfahrtsverband Beden-Württemberg in einer Pressemitteilung. Im Paritätischen Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg sind derzeit 2.000 Zivildienstleistende in den über 800 Mitgliedsorganisationen, darunter AMSEL e.V., im Einsatz. Die Aussetzung des Zivildienstes hat gravierende Auswirkungen auf soziale Einrichtungen und hinterlässt eine riesengroße Lücke für die betreuten Personen.

Junge InisDer Zivildienst nimmt eine wichtige Funktion ein bei Assistenzdiensten, Fahrdiensten, Essen auf Rädern oder in den sozialen Einrichtungen selbst. Überall dort konnten zusätzliche Betreuungsangebote für die Betroffenen eingerichtet werden. "Viele ältere Menschen oder Menschen mit Behinderungen wollen ihre Selbständigkeit in ihrer Wohnung oder im Rahmen des betreuten Wohnens so lange wie möglich erhalten", betont Hansjörg Böhringer, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Baden-Württemberg.

Bundesfreiwilligendienst reicht nicht aus

Weiter sagt er: "Doch hierzu sind Angebote erforderlich, die einerseits bezahlbar bleiben und andererseits im Umfang so gestaltet sein müssen, dass niemand gezwungen wird, eine stationäre Unterbringung in Anspruch zu nehmen."

Der "Bundesfreiwilligendienst" als Alternative zum "Zivildienst" biete zwar eine Chance, die durch den Zivildienst entstandene Lücke etwas kleiner zu halten und müsse deshalb so attraktiv wie möglich zu gestaltet werden. Allerdings deckten die 35.000 Plätze für den neuen Bundesfreiwilligendienst nur ein Drittel der bisherigen Einsatzstellen für den Zivildienst ab. Deshalb sei eine weitere Alternative zum Zivildienst der Ausbau des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) und von Praktikumsstellen.

AMSEL: Konsequenzen aus dem Abbau des Wehr- und Zivildienstes

Zivildienstleistende müssen ersetzt werden durch FSJ´ ler oder Freiwillige. Die Umstellung hat bereits vor Jahren begonnen, Zivildienstleistende wurden immer weniger, stattdessen kamen zunehmend ehrenamtliche Kräfte im Fahrdienst und zur Unterstützung bei Kontaktgruppenaktivitäten zum Einsatz.

Nachteile: Zivildienstleistende sind dem Dienst verpflichtet. Dadurch ergab sich eine gewisse Planungssicherheit, die beim Freiwilligendienst fehlt. FSJ'ler sind teurer. Und das freiwillige soziale Jahr ist hinsichtlich pädagogischer Betreuung eine Herausforderung. Vermutlich gibt es große Konkurrenz um wenig Plätze. 

Chancen: FSJ´ler und Freiwillige beziehungsweise Ehrenamtliche sind sehr motiviert. Die AMSEL bietet ein tolles Lernfeld und Einsatzleitungen legen Wert darauf, dass FSJ´ ler etwas fürs Leben lernen.

Kontaktgruppen müssen Fahrdienste einstellen

Für gemeinnützige Verbände wie die AMSEL bedeutet ein Wegfall des Zivildienstes, dass mehrere AMSEL-Kontaktgruppen den Fahrdienst einstellen werden oder ihn drastisch reduzieren müssen. Konkret fallen 2011 bei der AMSEL rund 20 Zivildienstplätze weg bzw. müssen durch FSJ und Freiwillige ersetzt werden.

Übungen mit einem dehnbaren Band. Hier auf dem Aktionstag der AMSEL 2004.Die drohende Konsequenz: "Wünschenswertes" bleibt auf der Strecke, das heißt Begleitdienste zu Freunden, zum Shoppen, zu Kontaktgruppentreffen, Vorträgen und Workshops, auf Ausflügen etc. sind dann kaum noch umzusetzen.

FSJ oder Bundesfreiwilligendienst bei der AMSEL

Wirtschaftlich "lohnen" wird sich der FSJ oder Freiwilligendienst für die Kontaktgruppen dann, wenn der Dienst ausgelastet ist oder gut refinanziert werden kann, z.B. durch Fahrdienste zu Therapien, Ärzten und Kliniken oder durch Abrechnung von unterstützenden Leistungen im Rahmen der Pflegeversicherung. Dazu braucht man eine Kooperation mit einem ambulanten Pflegedienst, die viele Kontaktgruppen auch haben.

Inhaltlich lohnt es sich für Betroffene immer. Der Einsatz von Helfern bedeutet einen Gewinn an Lebensqualität. Die Teilnahme an kulturellen Veranstaltungen, an Gruppenaktivitäten wie Bastelkreisen oder Ausflügen wird dadurch ermöglicht oder erleichtert. Wir wollen als AMSEL die Lebensqualität von MS- Betroffenen erhalten und verbessern.

Sie möchten gern ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der AMSEL leisten? Auskünfte erteilt Mechthild Zeh:

Letzte Änderung: 10.02.2011

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