AMSEL - Aktion Multiple Skleroser Erkrankter - Landesverband der DMSG (AMSEL, Landesverband e.V.)

renate

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Nicht nur für Kinder

13.06.2012, 00:10, Kommentare (2)

 

Eines Tages kam ein seltsamer Vogel in ein kleines Dorf und baute sich in der hügeligen Landschaft sein Nest. Von da ab war nichts mehr vor ihm sicher. Alles was die Dorfbewohner anpflanzten, verschwand von den Feldern in der kommenden Nacht. Jeden Morgen wurden die Schafe, Ziegen und Hühner weniger. Sogar tagsüber, während alle auf den Feldern arbeiteten, drang der riesige Vogel in die Lagerhallen und Getreidesilos ein und brach alle Wintervoräte an.

Das Dorf verkam. Alle verarmten – überall hörte man Klagen und Zähneknirschen. Nicht einmal der Mutigste des Dorfes konnte ihm habhaft werden. Er war einfach zu schnell. Ja, es war sogar schwierig ihn überhaupt zu Gesicht zu bekommen: man hörte nur das Flattern seiner grossen Flügel wenn er sich oben in dem alten Baum, verdeckt von der dichten gelben Baumkrone, in sein Nest hockte.

Der Dorfvorsteher raufte sich aus lauter Verzweiflung die Haare. Eines Tages befahl er den Dorfältesten die Beile zu schleifen und die Macheten zu wetzen um zusammen den Vogel zu jagen. Der Vogel hatte ihm nämlich sein Vieh vertrieben und seine Wintervorräte geklaut. “Wir müssen den Baum fällen; das wird unsere Antwort sein,” sagte er.

Mit glänzend geschliffenen Beilen und Macheten kamen die Dorfältesten zum Baum. Die ersten Hiebe gruben sich tief in den Stamm. Der Baum schwankte und aus dem dichten verschlungenen Laub blickte der Vogel. Aus seiner Kehle tönte ein Gesang so süß wie Honig, drang ins Herz der Männer und erzählte ihnen von uralten wundervollen Dingen, die nie mehr wiederkommen würden. Der Gesang war so verzückend, dass die Beile und Messer eins nach dem anderen aus den Händen der Ältesten glitten. Sie fielen auf die Knie und schauten verträumt und traurig in Richtung des Vogels, der nur für sie, in all seiner schillernden Farbenpracht, gesungen hatte.

Die Hände der Ältesten wurden schwach. Ihre Herzen wurden weich. “Nein,” dachten sie, “ ein so schöner Vogel konnte nicht soviel Schaden und Zerstörung angerichtet haben.” Und als die Sonne rot im Westen umterging, gingen sie wie Schlafwandler zu ihrem Dorfältesten und sagten ihm, dass sie nichts, aber auch rein garnichts gegen den Vogel ausrichten konnten.

Der Dorfälteste wurde sehr wütend. ”Dann werden mir eben die Jungen aus dem Dorf helfen.”, sagte er. “Die Jungen werden die Macht des Vogels brechen.”

Am nächsten Morgen bewaffnete sich die Dorfjugend mit funkelnden Beilen und Messern und zog zum Baum hinaus. Wieder drangen die ersten Hiebe zerstörerisch in den Stamm ein, als, wie beim ersten Mal , die Baumkrone sich auftat und der seltsame Vogel in seinem schönsten Federkleid zum Vorschein kam und auf´s Neue erklang die wunderbare Melodie über die Hügellandschaft. Die Jungendlichen hörten verzückt zu. Das Lied erzählte ihnen von Liebe, von Mut und von all den Heldentaten, die auf sie warteten. Dieser Vogel konnt nicht schlecht sein, dachten sie. Er konnte nicht böse sein. Die Arme wurden schwer , Beile und Messer fielen aus den Händen und wie die Alten vor ihnen , fielen sie auf die Knie und lauschten verzückt dem Gesang des Vogels.

Als die Nacht anbrach, gingen sie trunken und schwankend zum Dorfvorsteher zurück. Die Melodie des geheimnisvollen Vogels klang noch immer in ihren Ohren. “Es ist unmöglich gegen diesen Zaubergesang anzukommen. Niemand kann ihm widerstehen.”

Der Dorfälteste wurde wütend. ”Dann bleiben nur noch die Kinder”, sagte er, ”die werden mir zuhören. Sie haben wache Augen. Ich werde sie zum Vogel bringen." Am nächsten Morgen gingen die Kinder mit dem Dorfältesten zum Baum, wo der geheimnisvolle Vogel hockte. Kaum, dass die Kinder das Beil in den Stamm des Baumes versenkt hatten, kam, wie immer , der Vogel in all seiner Pracht zum Vorschein. Aber die Kinder schauten nicht nach oben. Ihre Augen schauten nur auf die Beile und die Messer, die sie in den Händen hielten. Und sie schlugen und schlugen und schlugen im Rhythmus ihres eigenen Geräuschs.

Der Vogel begann zu singen. Der Dorfälteste begriff, dass der Gesang einzigartig war und spürte, dass seine Hände anfingen Kraft zu verlieren. Doch die Ohren der Kinder hörten nur das Krachen ihrer eigenen Schläge. Trotz des verzaubernden Gesangs des Vogels schwangen die Kinder das Beil, immer wieder, das eine um das andere Mal. Zu guter letzt, ächzte der Stamm, brach und schlug krachend am Boden auf und zusammen mit ihm stürtzte der seltsame und geheimisvolle Vogel. Der Dorfvorsteher fand ihn unter der Last der Äste begraben.

Von überall kamen Leute, sowohl die erfahrenen Alten, als auch die kräftigen Jungen und konnten nicht glauben, dass die Kinder diese Tat vollbracht hatten.

Am gleichen Abend wurde ein grosses Fest für die Kinder gegeben. “Ihr seid die einzigen,die mit klaren und wachen Augen seht. Ihr seid unser aller Augen und Ohren.”

von Nelson Mandela, Meine afrikanischen Märchen





Kommentare (2)


14.06.2012, 20:48, renate

Was misssfällt Euch? Der nicht zwingede Zusammenhang mit unserer zerstörerischen Krankheit? Die Holprigkeit der Übersetzung? Das Loblied auf die Kinder? Ich finde diese Geschichte wunderbar, vorallem in einer Zeit, wo die Kinder oft als lästig oder verhätschelt als Konsumträger gebraucht werden.


13.06.2012, 10:46, lupocane

Das Lächeln kam diesmal durch das Foto der Beiden, die nicht gesehen werden wollen.


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