AMSEL - Aktion Multiple Skleroser Erkrankter - Landesverband der DMSG (AMSEL, Landesverband e.V.)

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Meine kleine Bitte an Neuerkrankte

26.03.2011, 18:12, Kommentare (0)

Liebe(r) MS-Kranke(r),     

insbesondere möchte ich mich hier an junge Menschen wenden, denen vor kurzem erst die Diagnose MS eröffnet wurde.
Ich weiß wie sehr eine solche Diagnose einen schockt und in den Abgrund zieht. Mir selbst wurde sie 1993 offenbart und ich schreibe nun ein Buch in welchem ich die Eindrücke meines Lebens verarbeiten will. Vielleicht kann ich Ihnen bei Ihrem Verarbeitungsprozess ein wenig behilflich sein. Bitte lassen Sie sich von mir raten und inspirieren. Anbei füge ich Ihnen einen kleinen Auszug aus meinem Buch bei:

So also endete dieses Lebensjahr und der finale Fangschuss rückte immer näher.         
Finaler Fangschuss!? Ist es ein solcher? Heute würde ich sagen, nein!!! Im ersten Mo-ment wenn einem die Diagnose mitgeteilt wird, empfindet man es so. Die Angst und allerlei Hirngespinste überrollen einen. Letztlich aber hat der Großteil aller an MS-Erkrankten eine reelle Chance, ihr Leben in einem zumindest zufriedenstellenden Zustand zu führen. Also verzagen Sie nicht, liebe(r) Neuerkrankte(r). Sicher, die Krankheit verändert einen. Körperlich wie seelisch. Seinen Wert verliert man dadurch nicht. Auch stehen einem heutzutage Möglichkeiten zur Verfügung, den Krankheits-verlauf positiv zu beeinflussen. Zum einen gibt es mittlerweile recht wirksame Medi-kamente, zum anderen können auch Sie selbst etwas tun. Sehen Sie, meines Erachtens spielt unsere Psyche eine große Rolle, was die körperliche Befindlichkeit angeht. Ler-nen Sie sich gegen Dinge und Menschen abzugrenzen, die Ihnen nicht gut tun. Es kostet Sie nur unnötig Energie, welche Sie für sich selbst benötigen. Seien Sie sich selbst gegenüber achtsamer und liebevoller. Nicht nur anderen gegenüber. Meiden Sie Menschen, die Sie trösten müssen, weil Sie krank geworden sind. Meiden Sie auch die, die Ihnen nur freundlich ins Gesicht sind, wenn Publikum anwesend ist. Vermeiden Sie Handlungen, die nur andere von Ihnen verlangen. Beispielsweise “die Nacht durchzumachen”. Entgegen der Behauptung, wird man dadurch nicht aus-dauernder. Wenn Sie müde sind, gehen Sie schlafen. Sie haben ein Recht darauf. Ich weiß, ich habe gut reden, aber ich lebe mit dem Mist schon lange genug. Und letztlich meine ich es nur gut mit meinem Rat. Er ist das Ergebnis eines schon langen steinigen Weges. Nach meiner Erfahrung sind im Anfangsstadium Ihrer Krankheit, oft die eigenen Angehörigen die schlimmste Belastung. Viele Symptome treten überhaupt erst durch den ständigen Stress auf. Nehmen Sie sich erstmal die Zeit, um sich mit sich selbst zu befassen.
Die Krankheit bewirkte bei mir, dass ich noch kopflastiger wurde. Ich hatte plötzlich ein unheimliches Sicherheitsbedürfnis.  Die entstehende Angst, Wut und Depression wichen jedoch der Lust zu leben, als die Zeit dafür reif war. Dennoch gibt es auch bei mir immer wieder Phasen, in denen die Trauer überwiegt. Dann hängt man in einem tiefen Loch, fühlt sich hilflos und verloren. Das wird bei einer unheilbaren Krankheit niemals ausbleiben. Es ist natürlich. Aber irgendwann werden diese Phasen weniger und Sie empfinden auch wieder andere Emotionen. Sie werden dann sehr viel stärker sein als jeder, der so etwas nie erlebt hat. Wachsen Sie an Ihrer Krankheit. Sehen Sie sie als Herausforderung und nicht als Damoklesschwert. Bitte!!!
Ich will Sie hier nicht lapidar trösten. Es ist so. Man kann an einer Krankheit wachsen. Nehmen Sie sich wahr!!! Lieben Sie sich so, wie Sie sind !!!

Mit lieben Grüßen        Nisha            



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