AMSEL - Aktion Multiple Skleroser Erkrankter - Landesverband der DMSG (AMSEL, Landesverband e.V.)

Miila

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Der Kampf mit dem Unsichtbaren

29.03.2011, 14:32, Kommentare (11)


(Text aus Mai 2010)

 

Ich schreibe selten und meistens nur, wenn es mir schlecht geht. Warum nie über das Positive? Weil man darüber nicht reden muss? Aber würde es nicht vielleicht auch mal anderen helfen was Gutes zu hören? Zur Zeit geht es mir gut. So gut es eben geht. Und das ist dann schon gut! Mein Problemkind ist „das Laufen“. Das unsichtbare Problem damit. Ich laufe. Ich laufe auch weit, wenn es sein muss. Aber es fällt mir so unendlich schwer! Jeder Schritt ist eigentlich eine Überredungsleistung an meinen Bewegungsapparat. Ein paar Meter sind kein Problem, da flitze ich nur so über den Asphalt. Aber längere Strecken, dann vielleicht noch in der Sonne, das ist ein Kampf. Nur, es sieht halt keiner. Ich schleppe mich dann vorwärts und frage hin und wieder, ob es nicht langsamer geht oder falle einfach zurück. Zum Glück meist nie alleine. Es wird einfach immer vergessen, dass ich nicht so die Läuferin bin. Neuerdings bleiben auch einfach meine Füße am Boden hängen und ich mache ´nen schönen Bauchklatscher. Meine armen Knie! Die sind echt tapfer!

 

Worauf ich hinaus möchte. Da keiner mein Problemkind sieht und ich auch nicht der Ewigjammertyp bin gerät dies immer wieder in Vergessenheit. Einerseits schön, weil so das Pseudomitleid ausbleibt, andererseits doof, weil so keine Rücksicht genommen wird. Wie schafft man da nur die Wanderung auf dem sehr schmalen Grat. Ich möchte nicht alle volljammern, weil es nicht meine Art ist.

 

Schönes Beispiel für mein Problem: Sonntag, Karneval der Kulturen in Berlin. Straßenfest. Menschenmassen die sich Wege lang schieben. Ob ich Lust habe? Hm... nein. „Oooch warum denn nicht? Du wirst uns fehlen, komm mal!“ Ich sage: „Nee Straßenfest ist nicht so meins. Ist mir bissel zu anstrengend mit diesen Tippelschritten da laufen und so. Ich komme dann vielleicht später nach, wenn ihr euch irgendwo niedergelassen habt.“ „Ok, wir haben alle das Handy am Start, melde dich später einfach!“

 

Freunde zogen also los und feierten. Als ich später SMSen absetzte um zu eroieren wo die Bagage ist, antwortet keiner. Erst Freund Nr. 5 meldete sich zurück. Der Rest hätte meine Texte wohl nicht bekommen. Nagut, kann man denken, dass Netz war bissel überlastet wegen dem Karneval, aber komisch, dass genau Freund Nr. 5 ALLE meine Texte dann bekam.

 

Ich machte mich also später auf den Weg zu der mir genannten Wiese, wo man nun sesshaft geworden war. Die Freude war groß als man mich sah. Nach 5 Minuten im Grüppchen stehen sagte ich, dass ich mich mal setzen müsste. Und tat dies. Eine Freundin folgte. Der Rest blieb stehen. Wie das bei stehenden Grüppchen so ist, wandern diese. Nicht weit, aber sie wandern. Und so kam es, dass ich mich immer mal wieder im Kreis eines Stehgrüppchens niederließ. Das Grüppchen sich dann auflöste oder wanderte und ich innerhalb weniger Minuten alleine da saß. Anfangs wanderte ich hinterher, dann wurde es mir zu blöd und ich blieb einfach sitzen. Naja, gestört hat es keinen. Nach 2 Stunden gingen wir dann zum Glück. Aber offenbar fand es keiner irgendwie auffällig oder so. Hat es überhaupt jemand gemerkt? Gut, alle waren ein wenig angeheitert, aber kann man so eine Freundin vergessen? Eine gute Freundin?!

 

Auch mein Mann sieht mein Problemkind oft nicht. Ich muss zugeben, ich fand Spaziergehen schon immer scheiße. Auch, als ich es noch ohne Probleme gekonnt hätte. Wenn mein Mann jetzt sagt: „Wollen wir noch um den Teich laufen bevor wir zum Auto gehen?“ und ich sage „Och neeeee! Ist mir zu anstrengend!“ Denkt er, ich würde die Krankheit vorschieben und könne es ja doch wenigstens mal versuchen! Nee nee nee, ich schieb da nix vor, das ist einfach so! Hätte ich gewusst, dass ich mal so sein würde, wäre ich früher Bergwandern gegangen, schon alleine um dieser Miesere vorzubeugen. Dann würden heute alle denken, och die würde ja wenn sie könnte, früher hat sie das so gerne gemacht. Dann kann sie wohl wirklich nicht... Aber so ist es nicht.

 

Anders Beispiel. Ich fahre Ski. Früher total gut! Wurde immer für eine Skilehrerin gehalten. Heutzutage ist das mal so mal so. Manchmal fahre ich wie ein Anfänger und manchmal ganz passabel. Kommt eben auf die Konstitution an. Wobei ich lustig finde, dass skifahren besser geht als laufen. Wie auch immer. Dieses Jahr fuhr ich super! (Im Gegensatz zum letzten...). Ich war so ein glücklicher Mensch! Aber auf der letzten Abfahrt nach einem Anstrengenden Tag auf dem Gletscher war es einfach aus. Wie als wäre ein Schalter umgelegt ging nix mehr und ich packte mich in jeder Kurve hin. Es wurde immer schlimmer. Mein Mann konnte es gar nicht verstehen und wurde etwas mürrisch, weil wir ja nicht vorankamen! Dann sagte er: „Du kannst es doch, reiß dich doch mal zusammen!“ Aha, genau Herr Ehegatte! Nach kurzer Diskussion in 3.000 m Höhe half er mir dann gerne vom Berg.

 

Mein Herr Gemahl ist wirklich der Beste wo gibt. Aber auch er macht sich, wie Pippi Langstrumpf, die Welt gerne wie sie ihm gefällt. Den einen Tag werden meine Beschwerden  und das Verweigern von Spatziergängen als übertrieben abgehakt, am nächsten Tag soll ich dann sagen, wenn ich was will oder brauche. Was soll ich denn nun? Was sagen oder ruhig sein? Ich bin eh schon total schüchtern.

 

Ich glaube, dieses „wie gehe ich mit den anderen um bzw. was erwarte ich von den anderen“ wird ewig mein Hauptproblem bleiben. ... und wohl auch deren mit mir...

 

Liebe Gedanken,
Miila


Kommentare (11)


08.04.2011, 09:49, Miila

wow... was hab ich da nur ausgelöst... Ein Statement noch von mir: Mir geht es schlechter als meiner gesunden Freundin, Klaus geht es schlechter als mir usw. Irgendwem geht es immer schlechter. Es gibt bestimmt auch Leute, denen geht es schlechter als Klaus. Aaaaber... das war doch gar nicht der Grund meines Textes. Ich dachte, ich spreche ein Thema an, das ihr alle kennt, nämlich, dass Leute, die keine MS haben uns nicht verstehen! Und das geht bestimmt mir so, wie einer MSlerin, der es besser geht als mir und einer MSlerin der es schlechter geht als mir. Es ist so das Phänomen der Menschen. Du hast ne dicke fette Backe und leidest unter dem gerade gezogenen Weisheitszahn, da kommt dein Kumpel um die Ecke und hatte das auch... aber viiiiiiel schlimmer! und einem selbst mit den aktuellen Leiden ist das doch eigentlich in dem Moment total schnuppe. Ich fühlte mich von Klaus schon ein bissel angepiekst, deswegen habe ich mit der Nußallergie reagiert. War etwas getroffen, weil ich dachte, wir ziehen hier an einem Strang und jeder darf über seine Gedanken berichten und würde auch weitestgehend verstanden werden. Weil wir ja alle im gleichen Boot sitzen... im Grunde... Klaus, alles fein, oder? *handreich* Liebe Gedanken Miila


07.04.2011, 17:16, klaus

Hallo edss, an meiner Verträglichkeit solls nicht liegen. Also bitte Frieden! Wir haben genug Unfrieden überall und es schwer genug.........


05.04.2011, 13:48, edss

Lieber Klaus, für mich erscheint es so, dass eine Amazone sich auf 3000 Höhenmeter anstrengt undungefähr ähnliches überlegt wie du, wenn du im Prechtal deine Hausaufgaben machst. Liebe Miila, nimm bitte zur Kenntnis, dass eine im Dreisamtal von Höhenmetern träumt und deinen interessanten Text sehr gerne gelesen hat.

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