AMSEL - Aktion Multiple Skleroser Erkrankter - Landesverband der DMSG (AMSEL, Landesverband e.V.)

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Sie liegt auf dem Sofa

12.04.2017, 12:16, Kommentare (7)

Sie liegt auf dem Sofa, wie jeden Tag. Von hier aus kann sie das Wechselspiel zwischen Helligkeit und gedämpftem Licht, wenn dies von Sonne und  Wolken hervorgerufen wird, wahrnehmen und die Bewegungen der Wolken vor dem Fenster ahnen. Es ist das schönste Zimmer in der Wohnung, nach Süden gerichtet.  Hier stehen die Stereoanlage für die Hörbücher und der Fernseher für die „Hörspiele mit Bildsiluetten“. Es gibt immer jemanden, der die Geräte bedient, die sie nicht erreicht, deren (Fern-) Bedienungsknöpfe sie nicht mehr erkennt und auch nicht erspüren kann. Brote werden gebracht oder sie auf den Rollstuhl gesetzt, um das Essen am Küchentisch einzunehmen. Erst greift sie noch selbst zum Löffel, um das zerkleinerte Essen in den Mund zu befördern. Doch schon bald schwindet die Kraft und sie lässt sich füttern. jetzt sitzt sie schon ganz schön lange, fast eine halbe Stunde. Schon sinkt der Oberkörper in sich zusammen. Am besten schnell zurück auf die Couch. Vorher noch den Urinbeutel ausleeren. Muss sie auf die Toilette gesetzt werden? – Nein, diesmal nicht. Vielleicht geht’s diesmal ja auch wieder in die Windel, weil sie nicht mehr immer rechtzeitig spürt, wenn’s kommt.

Es ist erstaunlich und ein großes Glück, wie relativ gelassen und zufrieden sie meistens wirkt.

 „Alles geht, aber eben nur anders.“ – Dieses Motto des MS-Tages gilt für Viele.

Für sie nicht.


Kommentare (7)


14.04.2017, 16:35, edss

Darin liegt gerade die Gefahr: Wir starren auf die Glücklichen mit guten Verläufen, mit denen gute Bilder gelingen. Wehe, wenn du nicht zu diesen gehörst! Vorlagen, Duschrollstühle, Greifzangen Ergometer, Klogeländer und all die anderen sind wunderbare Dinge aber für Fotos auf Facebook nicht so zauberhaft. Ich danke dir für den Anstoß zu diesem Gedankenaustausch!


14.04.2017, 13:37, lupocane

Das scheint mir nicht ursächlich für die Konzentration auf die Leistungsfähigkeit vieler MSler zu sein. Ich denke, dies war ursprünglich ein Gegenkonzept, was das gesellschaftliche Bild des dahinsiechenden MS-Kranken,welches in den meisten Fällen in dieser Härte nicht zutrifft, aufbrechen sollte und den Neubetroffenen die lähmende Angst nehmen, in Kürze mit dem Schlimmsten rechnen zu müssen. Es ist sicherlich auch angenehmer, von Möglichkeiten und Erfolgen zu berichten als von Elend und Schwierigkeiten. Da mögen auch die Spiegelneuronen eine Rolle spielen, die für die Empathie verantwortlich sind. (Mit einem Leidenden mitzufühlen lässt immer auch das Leid empfinden.) Und wir wollen sicher auch nicht zurück zum Drücken auf die Tränendrüse über die armen Behinderten. - Also bleibt nichts anderes übrig, als alle Schicksale möglichst authentisch darzustellen, als Teil dieser Menschheit anzunehmen und nicht zu verdrängen und, wie du es ausdrückst, edss, <Lösungen und Erleichterungen> zu finden.


13.04.2017, 21:38, edss

Eigentlich brauchen wir einen anderen Ansatz: MS-Patientinnen, die brav Medikamente schlucken und weiter Leistung bringen, sind erwünscht. Wehe denen, die scheitern! Dieses mag die gute Gesellschaft nicht so gerne. Aber genau da beginnt das authentische Leben: Farbe bekennen, um die Ecke denken, gefragt sind Lösungen und Erleichterungen in schwierigen Situationen. Wenn ich an den Inhalt meines Aktenschrankes denke, ist gerade dieses nicht vorgesehen.

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