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WOW!
17.04.2012, 22:57, Kommentare (6)
Nach der ersten Resonanz am gestrigen Abend war ich schon reichlich enttäuscht. Zwar sind mir solche Reaktionen nicht unbekannt, aber hier in diesem Rahmen hatte ich eher nicht damit gerechnet.
Was ist schon Fatigue? Fand ich angesichts der kürzlich erst geposteten (hervorragenden!) Texte dazu schon sehr, „anmaßend“ vielleicht? Mir ist bewusst, dass ich sehr viel Glück gehabt habe. Ich weiß auch, wie es sich anfühlt, nicht allein zur Toilette gehen zu können, obwohl die nur drei Meter weit weg ist. Oder die Butterbrote von der Krankenschwester geschmiert zu kriegen, weil man selbst dazu nicht in der Lage ist. Das habe ich alles durch. Darum bin ich umso dankbarer, dass es mir wieder so gut geht wie jetzt und ich „nur noch“ dauermüde bin, wenn ich von den anderen Kleinigkeiten mal absehe.
Aber: „Was ist schon Fatigue?“
Ja, was ist es schon, wenn man eben nicht verrentet ist, drei Kinder hat und noch selber für seinen Lebensunterhalt sorgen muss? Wenn man sich dann jeden Morgen aus dem Bett quält, um die Kinder zu wecken, versucht, seine Gedanken in irgendeiner Form in eine grade Reihe zu bringen, weil eine Deadline droht und man mit seiner Arbeit fertig werden muss, obwohl man eigentlich viel lieber wieder in die Kissen sinken möchte. Ich jammere nicht, weil ich weiß, dass mir das eh nichts nützt. Von Leuten, die Fatigue nicht kennen, erwarte ich auch keine andere Reaktion. Aber hier?
Und dann habe ich vorhin noch mal reingeguckt und sah, 13 Kommentare. Und beim Lesen wurde mir dann ganz warm. He, danke Euch für die lieben und aufmunternden Worte! Es lag mir fern, mit meinem Beitrag irgendjemandem auf die Krawatte zu treten. Ganz im Gegenteil. Ich habe in den vergangenen 25 Jahren diesbezüglich viel erlebt und gesehen und es nervt mich zunehmend, dass mit der MS immer noch so umgegangen wird, als wäre es das Ende von allem. Damals wurden die Leute in Rollstühle gesetzt und zur Erbauung von Schülern durch den Krankenhauspark geschoben. [Einer dieser Schüler war im Übrigen ich, eines meiner liebsten Beispiele dafür, dass das Schicksal wirklich Sinn für Ironie hat. Als ich dann meinen Rollstuhl hatte, musste ich mich selbst rausrollen.] Therapie gab es so gut wie keine, man hat die Patienten erst mal mit Cortison vollgepumpt. Da hat sich, Gott sei Dank, eine Menge getan.
Dass ich heute wieder selbst laufe, ist eine lange Geschichte vom Wiederaufstehen. Kurz gefasst, ich hatte sehr viel Glück und ich habe die richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt getroffen. Niemand außer mir selbst hat 2001 geglaubt, dass ich in der Lage sein würde, das Krankenhaus auf eigenen Beinen zu verlassen. Aber ich habe es geschafft, auch wenn es fast zwei Monate gedauert hat.
Was ich eigentlich damit zum Ausdruck bringen möchte, es gibt heute eine Menge Möglichkeiten. Manches kann sich regenerieren. Nur, weil es Dir jetzt grad schlecht geht, muss das nicht so bleiben. Leider habe ich auch kein Patentrezept für alles in der Tasche (wäre das nicht schön?). Aber vielleicht, und das ist der eigentliche Grund für mich, hier zu schreiben, bin ich zur richtigen Zeit da, wenn jemand anderes eine Ermunterung zum Weitermachen braucht. Und ich möchte mich trösten lassen, wenn meine Müdigkeit mich wieder in die Knie zwingen will. Es tut gut zu lesen, dass ich damit nicht alleine stehe.
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Kommentare (6)
22.04.2012, 00:41, Loosinglady
Hallo Kristall, ich finde deine beiden Beiträge auch super. Es wäre schön noch mehr von dir zu hören! Auch wollte ich mal sagen, das ich am anfang auch unverständliche Kommentare bekommen habe und dann nicht mehr gebloggt habe. Aber ich hab mir mittlerweile gedacht, das ist mir so was von wurscht! Ich schreib mir meine Gedanken von der Seele und wenn es jemanden interessiert soll er es lesen. Also meine Bitte: SCHREIB mehr von dir! Es würde mich sehr interessieren was du noch zu sagen hast! LG Loos
20.04.2012, 22:01, Zauberzwiel
Deine Frage ob man eigentlich das 25 jährige Jubiläum seiner MS feiert hat mich irgendwie beschäftigt und ich wollte meine Antwort mal loswerden. Die Vorstellung, dass du quasi solange MS hast wie ich lebe, und dabei so positiv denkst gibt mir irgendwie Mut. Ich habe die MS jetzt bald drei Jahre uhd habe auch einfach viel Glück gehabt (die richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt...). Wenn ich in 22 Jahren auch noch so eine Sichtweise und so ein Glück habe wie heute feiere ich es auf jeden Fall! ;) Lieben Gruß
20.04.2012, 20:23, Kristall
Ach Ihr Lieben! Ich kann leider erst jetzt was schreiben, weil ich seit Tagen Probleme habe, in den Blog zu kommen. Mal sehen, ob der Text hier gleich stehen bleibt. Ich schreibe nicht, um Resonanz zu bekommen. Da ich seit zehn Jahren bei einer Zeitung arbeite, bin ich daran gewöhnt, dass da nichts zurück kommt. Das ein Leser sich meldet und einen Kommentar abgibt, ist höchst selten. DAS hätte mich irgendwie weniger irritiert. ;-) Trotzdem ist es schön zu lesen, dass es auch Leute gibt, denen meine Texte gefallen. Ich freue mich auch immer, wenn ich wieder etwas von Euch lese. Ja, es tut richtig gut zu wissen, dass man nicht alleine ist.
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