AMSEL - Aktion Multiple Skleroser Erkrankter - Landesverband der DMSG (AMSEL, Landesverband e.V.)


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Dann guckt doch nicht hin…

29.03.2015, 20:19, Kommentare (7)

Der Absturz der Germanwings-Maschine brachte es, für jeden überdeutlich sichtbar, an den Tag. Der Niedergang des Journalismus lässt sich längst nicht mehr an der Zahl der Rechtschreibfehler pro Artikel messen, wen kümmert es schließlich noch, wie die rechte Schreibung aussieht. Inzwischen ziehen die Fehler in der Form inhaltliche Schwächen nach sich.

Die rückläufigen Verkaufszahlen vorschiebend, haben auch die Verlage Fehler gemacht. Statt die Qualität ihrer Produkte zu verbessern, hat man in den Redaktionen an allen Ecken und Enden gespart. Vor allem beim Personal und damit am Ende an der journalistischen Qualität. Heute sitzen an den Entscheidungstischen vor allem junge, wenig erfahrene Leute, von denen man froh sein kann, wenn sie das Wort „Ethik“ richtig buchstabieren können. Niemand hat ihnen gesagt, wie man als Journalist verantwortlich handelt. Es geht nämlich nur noch um Verkaufszahlen und Klicks. Darum vergibt man gerne Zeitverträge, so kann man sich derer entledigen, die sich weigern, im Kampf um die Quote ohne Rücksichten mitzutun.

Die breite Leserschaft hat das lange nicht interessiert. Abonnentenzahlen von Tageszeitungen sind rückläufig. Die größte und auflagenstärkste Tageszeitung Deutschlands ist die mit den vier großen Buchstaben. Deren Methoden sind in der Branche seit Jahren bekannt. Sie gelten als unethisch, aber erfolgreich. Viele Schlagzeilen entpuppen sich im Nachhinein als Ente. Dennoch wird dieses Blatt täglich gekauft und, wie ich befürchte, auch gelesen.

Auch „alte Hasen“ erlauben sich zunehmend Schnitzer, die früher so nicht passiert wären. Der Titel „Haltern am Schmerz“ (Ruhrnachrichten) ist so sehr daneben, das mir auch nach längerem Überlegen kein passender Vergleich dafür einfallen will. Wie dankbar bin ich heute, dass an jenem schicksalhaften Septembertag im Jahr 2001 ein Peter Klöppel im Studio war, dessen ruhiges und besonnenes Moderieren ich als einziges neben dem Sonnenschein positiv in Erinnerung habe.

 

Die meisten Katastrophen, die geschehen, sind weit weg. Die Wahrscheinlichkeit, dass man die weinenden Angehörigen, die die Bilder zeigen, kennt, sehr gering. Seit langem werden bei der Berichterstattung Grenzen des Anstands immer wieder überschritten, mit der Entschuldigung, es ginge ja um die Information. Dass das passiert war euch Lesern egal, solange es euch nicht betroffen hat. Dann habt ihr das Blatt gekauft, die Beiträge geliked, jeden Fetzen Information, und sei er auch noch so an den Haaren herbeigezogen gewesen, aufgesaugt.

Doch damit habt ihr bestimmt, was geschrieben und gesendet wird. Nämlich das, was die besten Verkaufszahlen, die meisten Klicks bringt. Dann habt ihr es hingenommen, dass eine unethische Journalistenmeute vor Privathäusern steht, Menschen belagert und in deren Privatsphäre rumstochert. Was aber, wenn es das nächste Mal das Kind vom Nachbarn ist, das etwas Schlimmes getan hat? Und sie vor eurem Haus stehen, euren Telefonanschluss lahm legen und in eurer Privatsphäre rumwühlen?

 Wer jetzt einen neuen, verantwortungsvollen Journalismus fordert mit ethischen Grundsätzen, sollte auch bereit sein, das zu bezahlen. Denn auch Journalisten leben nicht nur von Luft und Nachrichten. 


Kommentare (7)


04.04.2015, 03:35, chen-man

Mich beschäftigt 1x mehr die Frage, was die MASSEN-Erkrankung Depression verursacht (die ja auch häufig bei MS auftritt). Verblüffenderweise finde ich bei meinen Recherchein in der wiss. Literatur - wie bei der MS -, daß die genetische Komponente eher gering ist, und beim Umwelteinfluß die Familie usw. (Ernährung, Wohnung etc. - bei Zwillingen fast immer gleich) NULL Effekt hat - also nur ein "unfallartiger" Einfluß den einen EZwilling trifft, den anderen aber selten. -- Ihr ahnt schon, was das - meiner Überzeugung nach - bedeutet. Jetzt mache ich mir Hoffnung, daß nicht nur MS, sondern auch ein Großteil der sogenannten "endogenen" Depressionen usw. kausal behandelbar sein dürfte. Hoffentlich erlebe ich es noch, daß entsprechende Studien durchgeführt werden...


31.03.2015, 21:00, edss

Liebe Kristall, viel wichtiger als das und dass sind Inhalte. Gute Leute sollen etwas Gutes schreiben und davon gut leben können. Und wir sollen heuer zusehen, wie bei vielen Leuten das gute Leben verhindert wird. Grüße von edss


31.03.2015, 20:42, Kristall

Nö, nö, liebe edss! Lass ma. Dat mit dem das/dass ist mein Schwachpunkt, dazu stehe ich. Ich hatte nur niemanden, der mir das Korrektur liest. In Zukunft weiß ich ja, an wen ich mich wenden kann. Du weißt doch, die eigenen Fehler sieht man nicht. ;-) Das mit den Leichen am Tatort funktioniert auch anders, als der normale Leser denkt. Kein Fotograf beeilt sich deswegen. Dazu hat man schließlich einen Dummie im Kofferraum, der bei Bedarf das reale Leben nachstellt.

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