AMSEL - Aktion Multiple Skleroser Erkrankter - Landesverband der DMSG (AMSEL, Landesverband e.V.)


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Selbst schuld...

30.11.2011, 22:21, Kommentare (0)

So, mein Freund hat mir gerade eröffnet, dass er aus der Wohnung, in der wir vor wenigen Monaten noch zusammen gewohnt haben, ausziehen möchte, da allein die Kosten zu hoch sind. An sich natürlich sehr gut nachzuvollziehen, aber irgendwie hat es mich schon wie einen Schlag ins Gesicht getroffen, dass er bald nicht mehr ein paar Häuser von mir weg wohnt, denn obwohl ich selbst ausgezogen bin, habe ich die meiste Zeit doch bei ihm verbracht und habe die Entscheidung auch schon bereut, dass ich ausgezogen bin. Aber das kann man ja nicht sagen...
Warum bin ich ausgezogen? Weil ich der schlechteste Mensch auf Erden bin und einen Riesenfehler begangen habe. Ich dachte, dass ich mit ihm nicht mehr glücklich sei und mich ein anderer glücklicher machen könnte. Dabei habe ich überhaupt nicht gesehen, dass mein Freund die Person ist, die am meisten hinter mir steht und der tollste Mensch ist, den ich kenne und den er überhaupt gibt. Verdient habe ich ihn ja eigentlich nicht.
Ich weiß, es gab viele Schwierigkeiten, als wir zusammengezogen sind. Und wir haben beide nicht so genau gewusst, wie wir mit der Situation umgehen sollen, weswegen wir uns auch oft in die Wolle gekriegt haben und wir beide dann wohl nicht mehr sehr glücklich waren. Dennoch hat er immer versucht, ein guter Freund zu sein, hat sich angestrengt und ich, was hab ich getan? Ich hab mich in die Arme eines anderen geflüchtet und dachte das wäre gut so und dass ich ihn nicht mehr brauchen würde. Doch weit gefehlt... Wer war es denn, der ertragen hat, dass ich ausgezogen bin, obwohl er strikt dagegen war? Wer war es, der mir sogar einen neuen Boden in die neue Wohnunge gelegt hat, als ich mit meinem ersten Schub im Krankenhaus lag? Wer war es, der mich, obwohl er Krankenhäuser auf den Tod nicht ausstehen kann, trotzdem jeden Tag besucht hat? ER war es, mein Freund, den ich verlassen wollte, weil ich keinen Sinn mehr sah. Er hat versucht, mich stark zu machen. Er war es, der super mit meiner Diagnose umgegangen ist und versucht, die Vorteile daraus zu sehen. Er hat nicht gezeigt, dass es auch sehr schwer für ihn ist, dass ich jetzt MS habe und er hat mich nicht verlassen, obwohl man nicht weiß, wie die ganze Sache weiterhin verläuft. Er war da, als ich am meisten jemanden gebraucht habe...
In dieser Zeit habe ich für mich gemerkt, dass alles, was ich die Monate vorher gemacht habe, völliger Quatsch gewesen ist und dass ich ein furchtbarer Trottel war. Ich würde am liebsten die Zeit zurückdrehen und alles ungeschehen machen, ich würde ihn am liebsten in den Arm nehmen und ihm sagen, dass ich wieder zurück kommen will. Aber das geht nicht. Im Moment weiß er gar nicht, ob er mich überhaupt noch liebt und wie das alles weitergehen soll. Er versucht sein bestes, so zu tun, als wäre alles in Ordnung, aber ich merke, wie es an ihm nagt und wie es ihm weh tut, dass ich ihn verraten und betrogen habe. Ich versuche deswegen, seine Wutanfälle durchzustehen, aber es tut mir auch weh, dass ich ihm so weh getan habe.
Ich frage mich, wie es verläuft, wenn er wirklich in die Nachbarstadt zieht. E ist zwar nicht weit weg, aber trotzdem wird es dann anders sein als jetzt. Wir werden uns nicht mehr so oft sehen. Wir werden nicht mehr so oft abends zusammen im Bett einen Film gucken können und wir werden uns vielleicht auseinanderleben. Und ich bin schuld an der ganzen Misere... Manchmal frage ich mich wirklich, warum ich denn so ein riesiger Hornochse bin.

Jedenfalls liebe ich meinen Schatz von ganzem Herzen und will ihn nie wieder missen. Ich will alles für ihn tun und am liebsten immer bei ihm oder in seiner Nähe sein. Ich will jeden Morgen mit ihm aufwachen und mein Leben mit ihm verbringen.

Will er das auch? Es wird sich zeigen...

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