AMSEL - Aktion Multiple Skleroser Erkrankter - Landesverband der DMSG (AMSEL, Landesverband e.V.)

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Hinter den Busch gehen -- Zeckenrisiken

06.07.2015, 15:02, Kommentare (3)

In "Der Westen" am 5.7. ein unglaublich verwirrender Artikel über Risiken durch Zeckenstiche - bzw. durch die so übertragenen Infektionen. (Es geht offenbar einmal mehr um Werbung für die FSME-Impfung: ich frage mich jedesmal, was die Beteiligten dafür wohl für Gegenleisungen / Freundlichkeiten der Impfstoff-Hersteller erhalten, die sich am Impfstoff eine goldene Nase verdienen.)

Erste und wichtigste Richtigstellung / Information: Eine schwer verlaufende FSME, also Frühsommer-Meningo-Enzephalitis, eine durch Zecken übertragene Viruserkrankung, ist - zumal in NRW - eine RARITÄT. Zumindest wirtschaftlich sind die Impf-Kosten dort kaum zu rechtfertigen.

Die durch Zecken vor allem übertragene Borreliose, eine unbehandelt immer chronisch verlaufende BAKTERIELLE Infektion (PD Dr. D.Hassler, Uni Heidelberg), ist rund tausendmal häufiger als die FSME (in NRW wohl tausende Mal häufiger)!
Journalistinnen-Frage: "Sind Zeckenbisse gefährlich?"
„Nein, sie sind vor allem unangenehm und jucken“, sagt Professor Ulf Dittmer, Direktor des Instituts für Virologie an der Essener Uniklinik.
NICHT gefährlich, wenn sie doch gefährliche Infektionen übertragen können? Jucken? (Es würde Seiten erfordern, die Verwirrung durch den Artikel einzeln richtigzustellen.) Der Zecken-Speichel hat eine anästhesierende Wirkung; deshalb kann von typischem Jucken überhaupt keine Rede sein.

Das ist ja das Tückische: der Zeckenstich wird meist nicht gespürt, oft gar nicht bemerkt: Mehr als die Hälfte der Infizierten (durch spätere Blut-Reihenuntersuchung festgestellt) kann sich an keinen Stich erinnern!

Nur am Rande: Zecken können DUTZENDE verschiedene Infektionen übertragen, die Borreliose ist nach bisherigem Kenntnisstand hierzulande die häufigste und wichtigste, die FSME dagegen im größten Teil Deutschlands nahezu unbedeutend, zumal in NRW.

In den USA wurde in einer großen Studie festgestellt, daß die vorbeugende Gabe von einer einzigen 200mg-Tablette Doxycyclin innerhalb von 3 Tagen nach einem Zeckenstich die sehr häufige Borreliose praktisch sicher verhindert.
Diverse hiesige "Experten" raten jedoch davon ab. Jeder mag sich selbst überlegen, was wohl das Motiv für eine derartige Ablehnung sein könnte... (Schätzungen - genaue Zahlen gibt es nicht - gehen davon aus, daß in Deutschland viele Millionen mit der chronischen Borreliose infiziert sind, wenngleich sie über lange Jahre nichts davon merken mögen, außer vielleicht Kopfschmerzen, die ja "jeder" einmal hat, oder? Vielleicht, weil die - oft unbemerkte - chronische Borreliose so häufig ist?)

Überlegen wir uns einmal, wieviel Geld seit Jahrzehnten allein mit Kopf- und anderen Schmerzen (Gelenk- und "Nerven"-Schmerzen sind bei der chronischn Borreliose ausgesprochen häufig!) verdient wird: Wo käme unsere "segen-spendende" Pharma-Industrie hin, wenn eine Haupt-Ursache für Schmerzen durch eine 200-mg-Tablette Doxycyclin für vielleicht 50 Cent verhindert würde? Nicht auszudenken...
Und dann erst die Spätfolgen wie die Neuro-Borreliose: füllt etwa die Neurologen- und Psychiatrie-Praxen und Kliniken (der Beweis wäre noch zu erbringen: das bisher angesammelte Wissen würde jetzt schon hunderte Seiten füllen... - ich verweise etwa auf Prof. Brian Fallon, New York, Columbia-Universität).

Es mag sein, daß nur eine Tablette Doxycyclin innerhalb von 3 Tagen nach einem (bemerkten) Zeckenstich vielleicht nicht (immer) ausreicht: Auch andere mögliche Infektionen - etwa mit Bartonellen, Ehrlichien, Rickettsien, Babesien... - sprechen auf das spottbillige und gut verträgliche Doxycyclin an.
Es wäre zu wünschen, daß eine solche Studie in Europa, etwa in Deutschland wiederholt wird, und zwar erweitert auf die wichtigsten Ko-Infektionen. Da dies aber kaum zu erhoffen ist, könnten Hausärzte wenigstens eine 20er-Packung (mit 100 mg/Tabl.) verschreiben, nicht für Kinder: Das reicht für 10 Tage und dürfte manche unerkannte Infektion im Körper zurückdrängen, kurieren. (So kann damit beispielsweise eine chronische Herzrythmusstörung verschwinden, gegebenenfalls ein klarer Hinweis darauf, daß der Störung vermutlich eine Kardio-Borreliose zugrundelag.)

Denksport-Aufgabe: Sie kennen den Ausdruck "hinter den Busch gehen"? Da lauern die Zecken! Wer ist wohl stärker gefährdet: Männlein oder Weiblein? Und nun denken Sie weiter: Vor hundert Jahren waren Männer stärker MS-gefährdet. (Frauen am Herd, Männer Landwirte, Fuhrleute über Land...). Heute haben sehr viel mehr Frauen MS, in den USA bis zu 4x häufiger als Männer: Ideen, wie diese höchst eigenartige Verschiebung der MS von Männern hin zu Frauen zu erklären wäre? Diese Frage ist alles andere als trivial, "hat es in sich". (Neurologie-Prof. R.Martin, heute ETH Zürich, hat vor Jahren darauf hingewiesen, daß die Lösung dieses Rätsels bei der Ursachen-Klärung der MS weiterhelfen könnte.)
Manchmal muß man den gesunden Menschenverstand, Alltagserfahrungen bemühen. Die "Wissenschaftler" mit ihren Mäusen, Gen-Analysen usw. sehen mitunter den Wald vor Bäumen nicht, oder eben die Zecke am Grashalm in Bodennähe...

Wann endlich kommt eine Impfung gegen die sehr häufige Borreliose? (Geforscht daran wird bereits seit Jahrzehnten: gut Ding will Weile haben? Bei der HPV-Impfung ging es schneller: da fließen jetzt MILLIARDEN. Bei der Borreliose wären dagegen Milliarden gefährdet, die an Millionen chronisch Infizierten verdient werden...)

Kommentare (3)


11.02.2016, 17:01, Joshka

Ich bitte die schlechte Formatierung meines Kommentars vom 11.02.2016 zu entschuldigen. Vor dem Versenden waren noch alle Absätze und Gänsefüßchen korrekt, aber nach dem Versenden ist mein Kommentar jetzt verunstaltet und schlecht lesbar. Geschrieben habe ich den Text mit einem Tablet.


11.02.2016, 01:00, Joshka

Guten Tag chen-man! Warum Frauen öfter an MS erkranken, erinnert mich an ein “Seminar zur Krankheitsbewältigung“ vor einem Jahr. Eine “Professorin“ mittleren Alters erklärte die Häufigkeitsverteilung der MS-Erkrankungen, zu Lasten der Frauen, mit dem Hormon Testoteron. Sie meinte, dieses Hormon schütze die Männer bis zu einem gewissen Lebensalter besser vor MS. Erst mit dem Älterwerden lasse diese Hormonleistung bei den Männern nach, und deshalb würden ab diesem Alter die Geschlechter ebenso oft MS krank. Von der Progression bei älteren Männern wurde nichts erzählt, und schon gar nichts von mehr Eisenspeicherung der Männer. Zu diesen Seminaren werden MS-Kranke von niedergelassenen Neurologen eingeladen, die mit anderen Neuro-Praxen vernetzt sind, und untereinander solche “Seminare“ organisieren. Finanziert werden die Seminare von BIOGEN und Co. Leider weiß ich den Namen der “Professorin“ nicht mehr. Den Namen nachträglich bei der Neuro-Praxis nachzufragen ist mir peinlich, weil ich mich dort schon lange nicht mehr gemeldet, und von sämtlichen “Seminaren“ abgemeldet habe. Zurzeit behandele ich mich mit Unterstützung des Hausarztes mit Doxycyclin. Trotz Doxy hat die Beinschwäche etwas zugenommen mit verkürzter Gehstrecke, aber ich vermute diese Verschlechterung vom Schmerzmittel Gabapentin, was ich seit zwei Monaten mit der optimalen Dosierung täglich nehme. Diese Dosierung bewirkt üblicherweise eine Entkrampfung und Muskelentspannung, mit dem Preis von weniger Kraft. Mit Ihrer Hilfe, chen-man, mißtraue ich fast alle Neuros! Herzliche Grüße von Joshka


06.07.2015, 23:52, chen-man

BILD und Apotheken-Umschau machen mit bei der alljährlichen FSME-Impfpropaganda der Hersteller: Klar, die Apotheker sind natürlich dabei, wenn es um Dutzende FSME-Impfstoff-Millionen geht. Die SEHR häufige Borreliose-Infektion wird ausgesprochen geschickt für die FSME-Desinformation genutzt. RKI, Paul-Ehrlich-Institut usw. sind meist auch mit im Boot - und die Krankenkassen zahlen alles, erhöhen die Beiträge... -- Ich halte mich eher von Zecken-Biotopen fern, das hilft gegen ALLE drohenden Infektionen, nicht nur gegen die in großen Teilen Deutschlands gar nicht vorkommende FSME.


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