AMSEL - Aktion Multiple Skleroser Erkrankter - Landesverband der DMSG (AMSEL, Landesverband e.V.)


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Professors Traum von neuen MS-Medikamenten...

16.11.2014, 11:21, Kommentare (3)

Gerade finde ich bei news.google.de unter der Zwischenüberschrift "Gesundheit" ein Link zu dieser LANGEN Pressemitteilung aus einem - angeblich - führenden MS-Zentrum. Ich kopiere den Text teilweise: man muß sich das ziemlich gräßliche Deutsch einmal "auf der Zunge zergehen lassen", um zu erahnen, mit welcher Art von "Geistesgrößen" wir es zu tun haben:

"Dresden (pressrelations) -
Dresdner Forscher identifizieren wesentlichen Akteur bei der Entstehung der Multiplen Sklerose

Das Forscherteam konnte am Menschen nachweisen, dass die Anzahl der slanDC im Gewebe höher ist, je stärker die Entzündungen im Gehirn fortgeschritten sind. Wenn wir die einzelnen Akteure genau kennen, ist es möglich, wirksame MS Therapien anzubieten", sagt Katja Thomas, Arbeitsgruppenleiterin am Neuroimmunologischen Labor der Klinik sowie Poliklinik für Neurologie am Universitätsklinikum Dresden. "Unsere Immunologen haben Antikörper gegen menschliche dendritische Zellen hergestellt. Als man danach die Antikörper aufgereinigt hat, war ein Antikörper dabei, der eine Zelle markierte, die man vorher gar nicht kannte." Was so entdeckt wurde, war eine dendritische Zelle mit besonderen Eigenschaften, um zum Beispiel in einem hohem Maße T- Zellen zu dirigieren.

In früheren Studien haben Dresdner Immunologen beschrieben, dass beim Menschen diese slan dendritischen Zellen ausgesprochen entzündungsfördernde Eigenschaften besitzen. So aktivieren slanDCs die Fertigung großer Mengen an verschiedenen proinflammatorischen Zytokinen sowie fördern das Ausdifferenzieren von T-Zellen, die bei zahlreichen entzündlichen Prozessen eine wesentliche Rolle spielen. Es wurden Ansammlungen von slanDCs in betroffenen Geweben von Patienten mit rheumatoider Arthritis, Psoriasis sowie Lupus erythematosus nachgewiesen. Jedoch war sowie ist wenig über die Beteiligung der humanen dendritischen Zellen in der Pathogenese der Multiplen Sklerose bekannt. Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus hatten jezt die Idee, slan dendritische Zellen hinsichtlich ihrer Rolle ebenso bei weiteren autoimmunen Erkrankungen zu überprüfen. "Im Laienbereich kann man sich immer die Ähnlichkeit wesentlicher immunologischer Prozesse bei Schuppenflechte sowie MS gar nicht vorstellen, Gehirn sowie Haut, die sind doch gar nicht auf den ersten Blick ähnlich. Aber von der Immunologie her sind die Erkrankungen relativ vergleichbar. Deshalb lag es für uns nahe, dass wir da ebenso mal genauer nachsehen." - so Professor Tjalf Ziemssen, Inhaber der Professur für klinische Neurowissenschaften sowie Leiter des MS-Zentrums am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus. Er untersucht mit seiner Kollegin Katja Thomas bereits länger den Einfluss der dendritischen Zellen auf die Multiple Sklerose. "Während man früher vorwiegend die T-Zellen im Blick hatte, weiß man in der zwischzeit , dass die dendritischen Zellen doch mehr Einfluss in der Pathogenese der MS haben, als man dies bislang angenommen hat."

Die T-Zellen benötigen ein Signal, um aktiviert zu werden, beispielsweise durch dendritische Zellen wie slanDC. Jetzt sollte also der Fokus verstärkt auf diese, den T-Zellen "vorgeschalteten" dendritischen Zellen, gelegt werden: Haben sie ebenso Einfluss im Rahmen der Multiplen Sklerose? Wandern sie in das zentrale Nervensystem? Genau das ist der Fall - je stärker die Hirnentzündung, umso intensiver werden diese Zellen dort angereichert. ..."

(Entschuldigung: die obige Buchstabenwüste stammt nicht von mir, sondern von der ?"Exzellenz-Uni" Dresden.)
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Man muß sich das vorstellen: wenn es brennt, dann findet man Flammen, und zwar um so mehr Flammen, je stärker der Brand ist - wahrlich eine "weltbewegende" Erkenntnis. Aber das sagt uns doch nicht, was den Brand ausgelöst hat!

Das ist Pseudo-Forschung: daß sich in der Haut, in Gelenken oder im ZNS Entzündung findet, ist bei entzündlichen Erkrankungen selbstverständlich, einfach trivial!
Viel spannender und entscheidend für die Ursachenklärung und letztlich das Verhindern der Erkrankung ist beispielsweise die Frage, warum die Entzündung bei der MS herdförmig ist, das umgebende Gewebe dagegen nicht entzündet. (Um im Bild des Brandes zu bleiben: brennbares Holz ist überall - aber es gibt nur lokalisierte Brandherde, keinen "Vollbrand" - WARUM NICHT?)

Wenn in MS-Herden ein bestimmter Typ dendritischer Zellen zu finden ist, dann muß doch gefragt werden, WARUM diese Zellen DORT sind (nicht jedoch in der nicht entzündeten Nachbarschaft): wie beschränkt dürfen Neuroforscher eigentlich sein?

(Die ÄrzteZeitung hat diese "Super-Forschung" immerhin in einer lesbareren Form beschrieben:  http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/multiple_sklerose/article/873299/multiple-sklerose-akteur-ms-entstehung-identifiziert.html )

Vor rund einem Jahrhundert machte sich ein  Neuropathologe namens Gabriel Steiner (1883 - 1965) an die Ursachenklärung der MS, und sein Forschungsansatz war ebenso brilliant wie seine Sprache. Aber die MS-"Forscher" unserer Tage ignorieren das - der Unterschied in den geistigen Kapazitäten ist wohl  gar zu groß...

Hier z.B. lassen sich zumindest Teile einer langen Arbeit von G.Steiner (1931) im Original lesen:
http://www.amazon.de/Krankheitserreger-Gewebsbefund-bei-Multipler-Sklerose/dp/3662270501/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1416090321&sr=1-1#reader_3662270501
Man kann sogar im gesamten Text suchen, indem man links am Rand Suchbegriffe eingibt, etwa Zecke, und dann - mit dem Rollbalken rechts - im Text vor- und zurückfahren. (G.Steiner bezieht sich auf S.188 unten auf eine frühere Übersicht von 1922 von ihm, in der er die Übertragung der offensichtlich ursächlichen Infektion durch Zecken so gut wie sicher nachwies. -- Anzumerken ist noch, daß vor mehr als 8 Jahrzehnten der Begriff Virus eine deutlich andere, diffusere Bedeutung hatte als heute, nämlich eher im Sinne von Erreger.)

Ich kann es mir nicht verkneifen, besonders auf diesen Satz auf S.189 oben hinzuweisen, von Prof. Gabriel Steiner vor rund 85 Jahren formuliert, damals an der Universität Heidelberg:
"Von einer unmittelbar gegen den Erreger gerichteten Therapie würden wir uns am meisten erwarten." (Weiter unten auf S.189: "antiinfektiös" - alles klar?)
Eine solche rationale Therapie wurde leider erst nach dem Tod G.Steiners 1965 verfügbar, nämlich mit dem "liquorgängigen" Doxycyclin, welches nun schon rund 1/2 Jahrhundert über Apotheken zu beziehen ist, inzwischen spottbillig und z.B. als Akne-Mittel für Jugendliche seit Jahrzehnten weltweit millionenfach bewährt.

Also bitte keine gegen dendritische Zellen gerichtete Arzneimittel neu entwickeln, sondern unverzüglich die seit den späten 60er Jahren verfügbaren Mittel gegen Borrelien endlich mit der gebotenen Sorgfalt bei der MS prüfen, und zwar möglichst früh bei RR-MS, schon beim CIS = clinically isolated symptom, dem - wahrscheinlichen - ersten Schub!

Das "Heilpraxisnet.de" klärt uns über die MS auf: "Erste Anzeichen, die auf die chronisch-entzündliche Erkrankung hindeuten können, sind beispielsweise "Missempfindungen, kribbelnde Hände und Füße, Sehstörungen, Taubheitsgefühle in den Beinen, ...".
Da haben wir sie einmal mehr: Mißempfindungen wie Kribbeln, Taubheitsgefühle... Das habe ich - im Verlauf der neurologischen Erkrankung der 1000 Gesichter - seit mindestens 15 Jahren in beiden Füßen, aber noch NIE eine einleuchtende Erklärung und dementsprechend auch keine rationale Therapie erhalten. Darum mußte ich mich selbst kümmern, auch dafür zahlen: z.B. (Ceftriaxon i.v. bereits im Sommer 1993,) ab Anfang 1996 Doxycyclin, bis heute ohne Progression...


Kommentare (3)


31.12.2017, 16:48, Baris Can Aras

Der Beitrag gefällt mir würde es gerne auf www.rheumamedikamente.com verlinken.


18.11.2014, 12:54, chen-man

Daniela hat anderswo auf das kleine Weltkugel-Symbol über dem Blog-Beitrags-Eingabefeld hingewiesen, das zum Einfügen von Links dient. Mit einigem Herumprobieren ist es mir schließlich doch noch gelungen, die Links "blau zu machen" und damit anklickbar. Wie ich das geschafft habe? Wohl so: die URL im Text markieren, das Weltkugel-Symbol oben anklicken, die URL auch in die sich öffnende Zeile eingeben, den Button "Link einfügen" darunter anklicken und schließlich das fertige Produkt zur Veröffentlichung freigeben. --- Man muß schon ziemlich wach und fit im Kopf sein...


16.11.2014, 11:45, chen-man

Mir ist unklar, wieso die URLs - http:... - diesmal nicht in anklickbare Links umgewandelt wurden. Nun müssen sie also in die URL-Zeile des Browsers oder z.B. in die Eingabezeile von Google kopiert werden, um zu den jeweiligen Internet-Seiten zu kommen. (Auch ging beim Kopieren aus dem Textprogramm ins Blog-Formular die Formatierung verloren...)


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Bin schon "älteres Semester" und beschäftige mich seit langem mit Krankheits-Ursachen, mit einem Schwerpunkt auf der MS.

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