AMSEL - Aktion Multiple Skleroser Erkrankter - Landesverband der DMSG (AMSEL, Landesverband e.V.)


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Erfahrungsbericht bei fraglicher MS

27.01.2016, 14:57, Kommentare (5)

Gestern schaute ich nach längerer Zeit 'mal wieder ins größte dt. MS-Forum und fand dort einen interessanten Beitrag von Mirai, neu angemeldet:
Seit 4 Jahren eine MS-artige Leidensgeschichte, Borreliose-Tests negativ oder im "Graubereich", aber es fehlten die typischen MS-Herde im MRT. Was war das? Der Hausarzt schloß eine CHRONISCHE Borreliose vollkommen aus. (Also eher MS?)

Schließlich tauchte an ihrer Hand ein wachsender roter Ring auf, den der Hausarzt als FRISCHE Borreliose deutete und dementsprechend mit Doxycyclin behandelte.
"...Merkwürdigerweise waren nach 2 Wochen fast alle meine "MS" Symptome auch weg! Nur Mattigkeit, Müdigkeit und Schlechte-Laune-Anfälle blieben noch ca. 2-3 Monate... "

"Leider tauchten die Symptome 5 Monate später im Herbst, als es kälter wurde, wieder auf - viel schwächer und ohne Neuro-Horror geschichte, nur als Muskelschmerzen, periphere Neuralgien und Erschöpfung, aber Doxy hat schon wieder schnelle Abhilfe geschaffen.
Insgesamt musste ich 5 Mal Antibiotika nehmen - wobei eins davon Ceftriaxon (1.Wahl bei Spätborreliose angeblich)war und hat rein GAR NICHTS bewirkt ... "
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Nun könnte argumentiert werden, daß die "peripheren" Beschwerden ja klar eine MS ausschließen - so das derzeit gültige Dogma der Neurologen.
Irrtum: Ich kaufte mir vor längerer Zeit interessehalber gebraucht das 900-Seiten-Lehrbuch "Die Nervenkrankheiten" von Georges Schaltenbrand, Thieme Verlag Stuttgart 1951, also bereits 65 Jahre alt.
Das MS-Kapitel von 14 Seiten mit vielen Abbildungen beginnt auf S.738 so:

"Die M..S.. ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystems sowie der peripheren Nerven..."
Auch der PERIPHEREN Nerven: Das ist eindeutig, unmißverständlich, und das kommt vom damaligen Top-Experten
, der zuvor ein sehr umfangreiches ?Dossier für die Amerikaner verfaßt hatte über die Neurologie / neurologische Forschung während der NS-Zeit.

Man müßte also der Frage nachgehen, wer wann warum die MS streng auf das ZNS beschränkt hat: Für DEN Neuro-"Papst" seiner Zeit, Schaltenbrand, erst Vorsitzender, schließlich EHREN-Vorsitzender der Fachgesellschaft DGN = Dt. Gesellschaft für Neurologie, galt die Beschränkung der MS auf das ZNS jedenfalls nicht!
So schreibt er beispielsweise auf S.729 seines Lehrbuchs: "Herde von prinzipiell ähnlichem Charakter findet man auch in den peripheren Nerven..." Sogar "rheumatische Beschwerden" nennt er (S.731).
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Halten wir also fest:
--- Eine "sero-negative" Neuroborreliose kann über Jahre wie eine MS erscheinen; weder das Eine noch das Andere ließ sich sichern, für die Betroffenen eine kaum erträgliche Situation!
--- Schließlich hilft Mirai das gut verträgliche billige Doxycyclin (nicht das teuere und riskantere Ceftriaxon).
--- Nach Monaten kam es zu erneuten Beschwerden ähnlich den vorherigen: Doxycyclin half erneut. Dieses "Spiel" kann sich über längere Zeit wiederholen.
--- Mirai hat sich offenbar nicht auf die üblichen Kortison-Infusionen eingelassen, sondern rät, es eher mit Doxycyclin zu versuchen.

Dieser Bericht bestätigt meine eigenen Erfahrungen ab 1993: Borreliose-Tests waren bei mir durchweg negativ, Verdacht auf MS (vergleichbar CIS nach heutiger Terminologie). Nun muß es nicht etwa schlecht verträgliches Minocyclin als Dauertherapie (mit offenem Ende) sein, wie in der aktuellen Doppelblind-Studie aus Kanada
ÄrzteZeitung: Aknemittel bremst MS aus ,
sondern es hilft die übliche Doxycyclin-Einnahme über wenige Wochen - nur während dieser begrenzten Zeit wäre starke Sonne zu meiden.
Die Wirkung hält leider oft nur vorübergehend (Monate) an - aber Doxycyclin hilft erneut, wie Mirai schreibt.

Ich habe in den späten 90er Jahren für mich daraus den Schluß gezogen, nicht mehr auf neue Beschwerden, einen Rückfall ("Schub") zu warten, sondern vorbeugend an 2 Tagen pro Monat Doxycyclin einzunehmen (der Empfehlung der Mikrobiologie-Professorin Vera Preac-Mursic einer "Puls-Therapie" folgend). Damit bin ich über inzwischen mehr als 15 Jahre gut gefahren.

WICHTIG: Es ist NICHT möglich, MS und späte Neuroborreliose zu unterscheiden, weder vom klinischen Bild her ("1000 Gesichter") noch mit den Borreliose-Tests, die aus verschiedenen Gründen negativ ausfallen können. (Beispielsweise ist es gut mögich, daß die erbliche MS-Prädisposition auf der Grundlage von "molecular mimicry" eine Abwehrschwäche gegen Borrelien bedeutet, so daß diese eigenbeweglichen Bakterien leichter vom Infektionsort Haut bis ins ZNS vordringen können.)

Brorson und Kollegen aus Norwegen konnten (2001) bei 10 untersuchten MS-Patienten mit sehr aufwendiger Methodik bei allen zehn MSlern Ruheformen der Erreger im Liquor nachweisen: Das spricht eine klare Sprache für einen SEHR engen Zusammenhang zwischen MS und Neuroborreliose.
Die Konsequenzen für die Behandlung ergeben sich gewissermaßen von alleine, s.o.

Kommentare (5)


15.03.2016, 20:23, Joshka

Lieber chen-man, es gibt doch wichtige Quellen, welche längst bestätigen, daß sich die MS sicher von der Neuroborelliose unterscheidet:............ https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/2074447..........Der letzte Satz dort:..... The specification of oligoclonal bands resulting from isoelectric focusing of cerebrospinal fluid with an ELISA for B. burgdorferi can further substantiate the diagnosis of neuroborreliosis or help to rule it out in multiple sclerosis patients with positive borrelia-specific serology.....erklärt, daß die unterschiedliche Hirnwasserzusammensetzung die Neuroborelliose von der MS ausschließt.............Eine noch etwas ältere Quelle von 1989................ https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/2686768.................bestätigt, daß die Neuroborelliose nichts mit der MS zu tun hat und es allgemein gilt, daß die Neuroborelliose die ZNS nicht beeinträchtigt...................Was halten Sie von der Aussagequalität dieser Quellen? ........Was soll denn nun gelten und ichtig sein,......diese Quellen, oder Gabriel Steiner mit Brorson und Co.?..........Als MSler sind die verschiedenen Meinungen verwirrend und helfen ganz im Gegenteil. Ihre Meinung dazu ist sehr willkommen!....Ich danke Ihnen und grüße Sie gerne sehr freundlich!........Joshka


02.02.2016, 14:51, chen-man

VORSICHT: Beim Borr.-Bund geht Wahrheit in einer Flut von Scharlatanerie, "Toxin"-Lügen, absurdem "Overkill", LTT- usw. -Abzocke unter! --- Ich bleibe nach 20 erfolgreichen Jahren bei: 2-3 Wochen Doxycyclin, später Rezidiv-Prophylaxe mit kurzen Doxy-"Pulsen", angelehnt an eine Empfehlung der früheren LMU-Mikrobiologie-Professorin Vera Preac-Mursic (ca. 1990). Wir müssen Rücksicht auf die Umwelt nehmen (etwa Kläranlagen): so viel wie nötig, aber SO WENIG WIE MÖGLICH! Stop dem Irrsinn, der aus den USA zu uns herüberschwappt.


30.01.2016, 13:26, Ute Fischer

Dazu verweise ich auf eine neue Studie im Borreliose-Jahrbuch 2016, die in der Zeitschrift BORRELIOSE WISSEN Nr. 33 (ET April 2016) noch etwas ausführlicher dargestellt wird. Dabei wurde die MS-Diagnose von 281 untersuchten Patienten, lediglich in 33 Porzent bestätigt.

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