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Wie der Ranger zur MS kam

21.07.2016, 21:27, Kommentare (8)

Hallo,

mein Name ist Roland, Spitzname Ranger, der mir von meinen Bundeswehrkameraden verliehen wurde, weil ich so ein harter Hund bin :-)

Ich bin 35 Jahre alt, mit meiner Traumfrau verheiratet und ich habe 3 wunderbare Kinder. Tja, und wie kam er denn nun zur MS, der Ranger?

Es begab sich zu einer Zeit anno 2011, genauer gesagt Ende April des Jahres, als ich aufstehen und zur Arbeit gehen wollte, was meine Beine gar nicht witzig fanden; sie beschlossen, spontan zu streiken und ihren Dienst zu verweigern! "Sauerei", dachte ich, aber sie waren zu zweit und mir somit weit überlegen. Also musste ich meine Frau beehren, mich aus dem Bett zu hieven, anzuziehen, ein Taxi zu rufen und mich die Treppe herunterzuschleifen, was sie ohne zu zögern und mit einer Leidenschaft tat, die mich sehr schmerzte, die Leidenschaft nämlich, ihr verdankte ich wenigstens 8 blaue Flecken und Quetschungen. Hach, meine Frau, die Gute!

Am Taxi angekommen und den Fall schildernd wurde ich dann sehr gekonnt mit einem "Krankenfahrten nur auf Vorkasse!" unterbrochen. Ich merkte, ich hatte einen Freund gewonnen. Auf dem Weg zum Krankenhaus erzählte er mir, das eine Bekannte mit ähnlichen Symptomen eine Woche später im Krankenhaus verstarb, was zu meiner Erheiterung merklich beitrug, ich sagte nämlich erst einmal kein Wort mehr.

Am Krankenhaus angekommen fragte ich schüchtern nach, ob er mir wohl einen Rollstuhl holen und mich hereinschieben würde, was er mit einem Ton bedachte, der am ehesten an ein Schwein kurz vor der Schlachtung erinnerte. Von Schaffhausen war dieser Kamerad offensichtlich nicht! Aber er erbarmte sich dennoch, nachdem ich die Fahrt bezahlt hatte.

Voller Hoffnung auf eine rasche Genesung fragte ich an der Notaufnahme nach Hilfe, die mir mit dem Argument verwehrt wurde, das Soldaten nur in akuten Notfällen zivil behandelt werden dürften. Nach erneuter Schilderung verneinte sie erneut mit einem "duwirsthiernichtbehandeltundjetztgeh"-Blick, welchen ich mit einem "dichsollderBlitzbeimscheißentreffen"-Blick konterte bevor ich Frankenstein, so nannte ich meinen Taxifahrer, welcher mit Rhabarberblattohren unergründlicherweise auf mich wartete, bitten konnte, mich zum nächsten Bundeswehrkrankenhaus zu fahren, was er mittlerweile begeistert tat; ein abgewiesener Soldat muss wohl totkrank sein, interessante Geschichten wurden offensichtlich erwartet.

Als ich ihn mit meiner Schweigerei daraufhin enttäuschte, konterte er geschickt mit gesammeltem Wissen aus jahrelangem Bild der Frau- und Brigittestudium, indem er mir Diagnose um Diagnose auf den Kopf zusagte, vobei FSME und ALS noch die charmantesten waren. Die Ankunft am BWK rettete mich endlich vor seiner Flut an Weisheiten, Sprüchen und ungewollten Ratschlägen.

Nun, im BWK nahm man sich meiner sehr professionell an, untersuchte mich eingehend und stellte dann auf Grund einer Lumbalpunktion, für welche der Assistenzarzt nur 4 Versuche brauchte, wie er mir stolz sagte, fest, dass es sich bei meinen Ausfällen wohl um MS handeln würde. Ein halbes Jahr und eine weitere Lumbalpunktion vergingen, bis man mit einiger Gewissheit die Diagnose bestätigen konnte.

Nun sind mittlerweilefünf Jahre ins Land gegangen, und ich sitze mittlerweile im Rollstuhl. Nicht unbedingt wegen der MS, aber das ist eine andere Geschichte :-)

Ich wünsche Euch einen schönen Abend.

Viele Grüße

Roland

Kommentare (8)


21.10.2016, 12:33, Roland Hehrlein

Hallo Gaby, vielen Dank :-) ich versuche, nachdem ich jetzt endlich bald mein Studium beendet habe, etwas aktiver zu werden :-) Gruß Roland


15.10.2016, 12:47, Gaby Brückmann

Hallo Ranger, ich habe soeben mit Hochgenuss:-)) deinen Blog gelesen wie du zur MS gekommen bist. Ich lese Blogs eigentlich nicht, aber durch dich bin ich auf den Geschmack gekommen. ;-) Sollte ich öfters tun. Liebe Grüße von einer "Leidensgenossin " Gaby


01.09.2016, 19:01, Ranger

Hallo Franzi, es gibt die Regelung, das Soldaten nur dann in einem zivilen Khs behandelt werden dürfen, wenn sie entweder von der BW hierher überwiesen wurden, es Wochenende und/ oder ein Notfall ist. Die Krankenhäuser machen mit einem Soldaten Verlustgeschäfte, so ist das leider :-/

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