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Chatprotokolle: Multiple Sklerose

Neue Therapien bei Multipler Sklerose

06.12.2011 - Er warte händeringend darauf, dass Fumarsäure endlich als Therapeutikum zugelassen wird, so PD Dr. Oliver Neuhaus im AMSEL-Expertenchat.

Moderator Patricia Fleischmann: Liebe Chatter, lieber Herr Dr. Neuhaus, herzlich willkommen beim AMSEL-Chat. Heute geht es um die neuen Therapien bei der Behandlung der Multiplen Sklerose. - Schießen Sie einfach los!

Nina: Hallo zusammen, ich warte händeringend darauf, dass Fumarsäure endlich als Therapeutikum zugelassen wird. Ich verstehe nicht, wieso das so lange dauert. Bei Schuppenflechte wird es doch schon seit Jahren verwendet! Die möglichen Nebenwirkungen sind ja im Vergleich zu Tysabri "pillepalle". In älteren Berichten ist immer die Rede von einer 30% Schub- oder Läsionsreduktion. Im neuesten Artikel liegt diese auf einmal bei 50%... Wie kann das sein???? Und was halten Sie von dem Ansatz mit Vitamin D zu therapieren?? Es laufen ja bereits auch von der Pharmaindustrie gesponserte Studien (z.B. in Kombination mit Rebif)... Also MUSS ja was dran sein ;) Vielen dank für Ihre Antwort.

PD Dr. Oliver Neuhaus: Hallo Nina, wir alle warten auf die Zulassung von Dimethylfumarat (Fumarsäure). Aber für die Zulassung für die Therapie der MS müssen die üblichen Behördenwege durchlaufen werden, weshalb das Medikament voraussichtlich erst 2013 kommen wird. Die Unterschiede in der Wirksamkeit liegen in verschiedenen Studien und deren Studienpatienten. Vitamin D hat bisher eine wichtige Rolle bei der Vorbeugung von MS. Wenn man die Krankheit hat, ist eine Wirksamkeit von Vitamin D in der Therapie bislang nicht klar. Der Spiegel sollte aber nicht zu niedrig sein. Bei normalem Vitamin-D-Spiegel ist die zusätzliche Gabe von Vitamin D nicht nötig. Grüße O. Neuhaus

PD Dr. Oliver Neuhaus

  • PD Dr.med. Oliver Neuhaus1989-1996 Studium der Humanmedizin an der Universität Ulm
  • 1996-1997 Arzt im Praktikum an der Klinik für Neurologie des Christophsbades in Göppingen
  • 1998-2000 Forschungsstipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Max-Planck-Gesellschaft am Max-Planck-Institut für Neurobiologie, Abteilung Neuroimmunologie, Martinsried
  • 2000-2002 Assistenzarzt an der Neurologischen Universitätsklinik, Karl-Franzens-Universität, Graz, Österreich
  • 2002-2006 Assistenzarzt an der Neurologischen Klinik, Universitätsklinikum der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
  • 2006-2007 Funktionsoberarzt an der Neurologischen Klinik, Universitätsklinikum der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
  • 2006 Abschluss des Habilitationsverfahrens an der Medizinischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf mit dem Thema: "Immunpharmakologie der Multiplen Sklerose – Wirkmechanismen aktueller und künftiger Therapieansätze"
  • Seit 2007 Chefarzt der Abteilung Neurologie, Kreiskrankenhaus Sigmaringen, Kliniken Landkreis Sigmaringen GmbH
  • Prof. Dr. Neuhaus wurde 2003 für seine wegweisenden Arbeiten mit dem Sobek-Nachwuchspreis ausgezeichnet

Roy: ich bin 56 Jahre alt (geb.1955) und habe seit 1983 MS. Zunächst schubförmig und seit gut 12 Jahren sekundär progredient. Gehstrecke maximal 2 Meter ohne Hilfsmittel, ca. 800 Meter mit Rolllator. Insgesamt mittlerweile häufiger müde, keine Kraft (einen Wasserkasten bekomme ich kaum noch vom Boden hoch). Behandlung: Von Beginn an gab es keine wirkliche Behandlung. Seitens der behandelnden Neurologen wurde eine sanfte Methode vorgezogen und nur durch B12 Gabe unterstützt. Bei Schüben gab es Kortison. Seit 12 Jahren gibt es etwa 2-3 x jährlich eine Stoßtherapie (3x1000 Einheiten Urbason). Wenn das Lehrmitt’sche Zeichen stärker wird, denn erfolgt eben solch eine Kortison-Gabe. Die Uni Giesen hatte eine eineinhalb jährige Mitox-Therapie eingeleitet. Lebensdosis ist im Grunde ausgeschöpft. Seit dem gibt es keine weitere Behandlung. Krankengymnastik nach Bobath 2x wöchentlich seit 12 Jahren. Nun stellt sich mir die Frage, ob das neue Medikament Fampridin möglicherweise auch für mich noch eingesetzt werden kann und ob es Aussichten für mich geben kann, mein Gangbild dadurch etwas zu stabilisieren.

PD Dr. Oliver Neuhaus: Hallo Roy, wie gesagt, ist Fampridin für jede Form der MS zur Verbesserung des Gehens zugelassen. Also schlage ich auch Ihnen einen 14-tägigen Test mit Fampyra vor. Wenn es wirkt, werden Sie es wissen. Fampyra allerdings kein Zaubermittel. Es verbessert bei einem Teil der Betroffenen die Gangsicherheit aber deutlich. Grüße O. Neuhaus

Karina: Hallo Dr. Neuhaus, wann bietet sich die Behandlungmit Fampyra an? Bin mittlerweile sek. chron. progr. und leide unter einschießender Spastik und meine Gehfähigkeit wird immer schlechter.

PD Dr. Oliver Neuhaus: Hallo Karina, Fampyra ist für alle Formen der MS zur Verbesserung der Gehfähigkeit zugelassen. Es wirkt leider nur nicht bei jedem. Es ist aber auf jeden Fall sinnvoll, das Medikament für 2 Wochen auszuprobieren, denn dann wissen Sie auf jeden Fall, ob es wirkt und dann fortgesetzt werden soll. Grüße O. Neuhaus

schneekugel: Hallo, weiß man schon was mit Fampyra und Schwangerschaft ist? Muss man es vorher absetzen etc.? Danke

PD Dr. Oliver Neuhaus: Hallo Schneekugel, wie bei allen Medikamenten wird auch bei Fampyra das Absetzen bei Schwangerschaft empfohlen. Grüße O. Neuhaus

Oly: Sehr geehrter Herr Dr. Neuhaus, was gibt es aus aktueller Sicht der Experten zur Therapie, Wirksamkeit und dem Risikoprofil von Ono-4641 zu sagen? Soweit ich weiß befindet sich die Studie momentan in Phase II, bis wann ist hier in etwa mit eine Zulassung als Wirkstoff gegen MS zu rechnen?

PD Dr. Oliver Neuhaus: Hallo Oly, zum Glück befinden sich gerade eine ganze Menge von vielversprechenden Medikamenten in Phase II. Wenn diese erfolgreich verläuft, kommen noch mindestens zwei so genannte Phase III Studien mit vielen Patienten, die entweder das neue Medikament oder eines der aktuell zugelassenen Medikamente bekommen (alternativ entweder das neue Medikament oder Placebo). Das dauert noch ein paar Jahre. Wenn auch diese Studien erfolgreich verlaufen und keine schlimmen Nebenwirkungen auftauchen, kommt noch die Bürokratie des Zulassungsverfahren. Von Phase II bis zur Zulassung dauert es also etwa zwischen 5 und 10 Jahren. Grüße O. Neuhaus

Karina: Um eine Mobilitätskontrolle vor Fampyra durchzuführen kann ich doch die Gehstrecke auch mit dem Gehstock oder Rollator testen?

PD Dr. Oliver Neuhaus: Hallo Karina, ja, auch mit Gehstock oder Rollator können Sie von Fampyra profitieren (wenn es wirkt). Grüße O. Neuhaus

Moderator Patricia Fleischmann: ON: bei etwa der Hälfte meiner Patienten mit Fampyra wirkt es ordentlich (bei einer verbesserte sich die Gehzeit für 7,5 Meter von 11 auf 6 Sekunden), bei der anderen Hälfte wirkte es allerdings gar nicht und musste nach den 14 Tagen beendet werden.

boy0302: Sehr geehrter Dr. Neuhaus, spritze seit Juni 2009 Rebif 44mcg. Habe manchmal sporadisch Juckreiz an den Unterschenkeln - kann dies vom Rebif kommen?

PD Dr. Oliver Neuhaus: Hallo Boy0302, ja, das kann von Rebif kommen. Wenn der Juckreiz nur sporadisch kommt, würde ich ihn tolerieren. Ansonsten stellen Sie sich mal beim Dermatologen vor. Grüße O. Neuhaus

Jörg: Hallo Herr Dr. Neuhaus. Sind neue wirksame Medikamente gegen die Fatigue in Sicht?

PD Dr. Oliver Neuhaus: Hallo Jörg, nein, leider nicht wirklich. Schlimmer noch: Amantadin, das sehr wenig kostet und durchaus bei Fatigue bei MS helfen kann, wurde von der Liste der erstattungsfähigen Medikamente entfernt, d.h. es muss selber bezahlt werden. Alternativ kann Vigil (Modafinil) ausprobiert werden, ist aber ebenfalls nicht zugelassen. Ihr Neurologe muss also gegenüber der Krankenkasse begründen, warum er es verschreibt. Grüße O. Neuhaus

Karina: und Nebenwirkungen(wie Harnwegsinfekte, epileptische Anfälle...?). Schwächegefühle...kann man das feststellen? Ich habe die sowieso schon!

PD Dr. Oliver Neuhaus: Hallo Karina, die wichtigste Nebenwirkung sind epileptische Anfälle, die dosisabhängig auftreten können, weshalb Fampyra in einer retardierten Form vorliegt und maximal zwei mal täglich genommen werden darf. Eine höhere Dosis (die man bei teilweiser Wirksamkeit gerne ausprobieren würde, um eine noch bessere Wirkung zu bekommen) verbietet sich wegen der Epilepsiegefahr. Wenn man eine Tablette Fampyra vergisst, darf man auch nicht beim nächsten Mal zwei nehmen. Wer früher epileptische Anfälle hatte, darf übrigens gar nicht Fampyra bekommen. Grüße O. Neuhaus

boy0302: Kann der Juckreiz außer mit Tabletten unterdrückt werden - oder muss das Rebif abgesetzt bzw. gegen ein anderes Medikament ersetzt werden?

PD Dr. Oliver Neuhaus: Hallo Boy0302, es gibt Salben gegen Juckreiz. Wie gesagt, hier kann der Dermatologe auch andere Ursachen abklären. Den Medikamentenwechsel muss man gut überlegen. Grüße O. Neuhaus

Vivien: Hallo Herr Dr. Neuhaus, ich spritze mit Rebif 44. Wie verhält es sich mit bei einer Schwangerschaft?

PD Dr. Oliver Neuhaus: Hallo Vivien, offiziell ist auch Rebif bei Schwangerschaft nicht zugelassen, muss also spätestens beim positiven Schwangerschaftstest abgesetzt werden. Die Schwangerschaft selbst schützt ja bekanntermaßen vor MS, weshalb das meistens OK ist. Grüße O. Neuhaus

Oly: Sehr geehrter Herr Dr. Neuhaus, vielen Dank für die Antwort. Leider haben sie nichts zu der Wirksamkeit und dem Risikoprofil von ONO-4641 (aus aktueller Expertensicht) geantwortet. Mit welchen weiteren "vielversprechenden" Wirkstoffen ist denn, abgesehen von BG12, in kommender Zeit zu rechnen?

PD Dr. Oliver Neuhaus: Hallo Oly, Zu ONO-4641 kann ich Ihnen auswendig gerade leider nichts sagen (ich bin zu Hause). Die Phase II-Medikamente sind einfach noch zu weit weg, weshalb ich nicht bei allen die Studiendaten kenne. Vor der Tür stehen neben BG12 auch Laquinimod, Teriflunomid und möglicherweise auch Alemtuzumab. Keines wird allerdings vor 2013 kommen. Grüße O. Neuhaus

Jörg: Vielen Dank. Wie stehen Sie zu der Empfehlung, sich unbedingt gegen Grippe impfen zu lassen?

PD Dr. Oliver Neuhaus: Hallo Jörg, gute Frage. Offiziell wird die Grippeimpfung bei "chronischen Erkrankungen" empfohlen, und MS ist nun mal eine chronische Erkrankung. Ich persönlich unterscheide hier aber zwischen Betroffenen mit einem hohen Gripperisiko, z.B. wenn sie mit vielen Menschen zusammen sind wie bei der Arbeit im Kindergarten, und solchen ohne hohes Gripperisiko. Nur bei ersteren empfehle ich die Impfung. Die Impfung selbst ist übrigens weniger problematisch bei MS als die Grippe selbst. Grüße O. Neuhaus

boy0302: Gibt es Substanzen die zur Remyelisierung positiv beitragen?

PD Dr. Oliver Neuhaus: Hallo Boy0302, noch eine gute Frage, denn dies wäre ein Ansatz zur "Reparatur". Erste fragliche Hinweise gibt es bei Gilenya (Fingolimod), aber das ist noch völlig offen. Grüße O. Neuhaus

Karina: Danke

PD Dr. Oliver Neuhaus: Gerne geschehen.

timmimaus: Hallo, kann Fampyra auch bei Fatigue helfen?

PD Dr. Oliver Neuhaus: Hallo Timmimaus, Fampyra wirkt bei der Gangstörung und ist auch dazu zugelassen, auch bei der so genannten "motorischen Fatigue", also der Ermüdbarkeit der Muskeln. Bei der eigentlichen Fatigue, also der Tagesmüdigkeit, wirkt es nicht. Grüße O. Neuhaus

boy0302: Gibt es Medikamente welche die Schlafqualität verbessern ohne süchtig danach zu werden?

PD Dr. Oliver Neuhaus: Hallo Boy0302, noch eine gute Frage. Schlafstörungen sind häufig bei MS. Zuerst steht die Ursachenabklärung der Schlafstörung. Hat sie mit Grübelzwang zu tun, also Depressivität, oder mit anderen Ursachen (Restless legs-Syndrom (= Syndrom der unruhigen Beine), Spastik, Schlafapnoe...). Wenn man eine behandelbare Ursache findet, sollte diese beseitigt werden. Als nächstes stehen nichtmedikamentöse Ansätze an, die so genannte Schlafhygiene. Beispiele hier sind kaltes Schlafzimmer, Entspannungsübungen vor dem Schlafen, nachts nicht auf die Uhr sehen. Erst dann kommen Medikamente. Die echten Schlafmittel machen abhängig. Nicht abhängig machen dagegen so genannte schlafanstoßende Antidepressiva wie Mirtazapin. Wenn die Schlafstörung ein großes Problem ist, ist eine Untersuchung in einem neurologisch orientierten Schlaflabor sinnvoll. Grüße O. Neuhaus

Jörg: Wie ist der aktuelle Kenntnisstand zu alternativen Heilmitteln wie Grünteeextrakte, Weihrauch usw. Soweit ich weiß, gibt es hier derzeit auch "seriöse" Studien.

PD Dr. Oliver Neuhaus: Hallo Jörg, Grüntee hat immunmodulierende Wirkung, allerdings wären für eine ausreichende Wirksamkeit bei MS sehr große Mengen nötig. Von laufenden Studien bei Weihrauch habe ich gehört, habe aber noch keine definitiven Ergebnisse. Wichtig ist, dass diese Studien nach wissenschaftlichen Kriterien durchgeführt werden, also prospektiv (im Voraus geplant), kontrolliert (mit Placebo- oder anderer Kontrollgruppe) und möglichst doppelblind (weder Patient noch Arzt wissen, was Patient erhält). Grüße O. Neuhaus

kasia: wenn es um Eskalationstherapie geht, wozu würden Sie eher tendieren: zur Tysabri oder zur Glineya... ?

PD Dr. Oliver Neuhaus: Hallo Kasia, die Frage kann ich nicht beantworten, da es keine Vergleichsstudie zwischen Tysabri und Gilenya gibt. Zu Tysabri kennen wir mittlerweile gut die Wirkungen und die Nebenwirkungen, können auch das Risiko der Progressiven Multifokalen Enzephalopathie (PML) abschätzen. Zu Gilenya wissen wir noch nicht alles, weil es neu ist. Diese Frage muss individuell entschieden werden. Grüße O. Neuhaus

Oly: Sehr geehrter Herr Dr. Neuhaus, ab welchem Zeitpunkt würden sie zu einer Deeskalation (bei z.B. Natalizumab) raten? Anhand welchen Kriterien orientieren Sie sich über die Dauer einer Eskalationstherapie?

PD Dr. Oliver Neuhaus: Hallo Oly, deeskalieren kann ich bei absoluter Stabilität oder wenn die Nebenwirkung zu stark sind oder zu stark zu werden drohen. Exakte Zeiträume kann ich da nicht sagen. Wer vorher sehr instabil war, also dauernd Schübe hatte, und erst mit Tysabri stabil ist, überlegt sich gut, ob er es wieder wechseln will. Grüße O. Neuhaus

Vivien: Hallo Herr Dr. Neuhaus, habe noch eine Frage, seit ca. 2 Monaten habe ich auf der rechten Körperhälfte krampfartige Störungen, die nicht lange andauern und auch sehr unregelmäßig auftreten. Kann dies mit der Umstellung von Avonex auf Rebif 44 zu tun haben?

PD Dr. Oliver Neuhaus: Hallo Vivien, kurzzeitige Halbseitenphänomene habe ich noch nicht in Zusammenhang mit der Umstellung von einem Interferon auf ein anderes gehört. Zu einem Schub passt das auch nicht. Ich empfehle Ihnen die Vorstellung bei Ihrem Neurologen und ein neues Schädel-MRT. Grüße O. Neuhaus

Jörg: Gibt es Vitamine oder Mineralien / Spurenelemente, die Sie zur ergänzenden Behandlung empfehlen?

PD Dr. Oliver Neuhaus: Hallo Jörg, nur bei Vitaminmangel sind zusätzliche Vitamine nötig, vor allem Vitamin B12 (welches oft zu niedrig ist) und Vitamin D. Wenn Sie normale Vitaminspiegel haben und sich "gesund" und abwechslungsreich ernähren, sind zusätzliche Vitamine nicht erforderlich. Grüße O. Neuhaus

kasia: danke

PD Dr. Oliver Neuhaus: Bitte.

Oly: Sehr geehrter Herr Dr. Neuhaus, können Sie bestätigen dass das Risiko auf eine PML ab dem vierten Jahr mit Tysabri deutlich sinkt? Mit wieviel PML-Fällen hatten sie bereits im Laufe Ihrer Tätigkeit als Neurologe zu tun? Wieviele davon sind "günstig" verlaufen?

PD Dr. Oliver Neuhaus: Hallo Oly, ein Absinken des PML-Risikos ab dem vierten Jahr ist nicht plausibel und beruht auf niedrigen Patientenzahlen. Der Wirkmechanismus von Tysabri spricht für ein ansteigendes PML-Risiko nach zwei Jahren. Ich persönlich hatte zum Glück noch keinen eigenen PML-Fall. Grüße O. Neuhaus

Margarete: Guten Abend, Herr Dr. Neuhaus. Ich bin Angehörige eines seit 18 Jahren MS-kranken Mannes. Darf ich auch eine Frage stellen?

PD Dr. Oliver Neuhaus: Hallo Margarete, natürlich.

Margarete: Mein Mann hatte im August bei der großen Hitze zwei mal Blasenentzündung. Blasenprobleme hatte er schon lange. Er war vor kurzem auf Reha und bekam dort zwei neue Medikamente: Tamsolusin 0,4 mg und zusätzlich wegen der Spastiken das neue Medikament Sativex-Spray. Nun ist seit kurzem eine für uns sehr spürbare Besserung der Blasenprobleme eingetreten. Mich würde nun interessieren, welches Medikament diese Wirkung veranlassen hat können, oder vielleicht die Kombination. Auf jeden Fall sind wir glücklich, dass der Terror, den die Blase mit ihm (uns) veranstaltet hat, weniger ist.

PD Dr. Oliver Neuhaus: Hallo Margarete, die Hauptwirkung auf die Blasenfunktion hat Tamsulosin, welches ich fortzusetzen empfehle. Sativex hat die Hauptwirkung auf die Spastik. Bei häufigen Blasenentzündungen ist auch zu überlegen, ob der Urin angesäuert wird, damit Bakterien nicht so gut wachsen können. Hierzu gibt es Cranberry-Saft oder -Kapseln oder das Medikament Methionin. Grüße O. Neuhaus

Sabina65: Sehr geehrter Herr Dr. Neuhaus, können Sie ungefähr sagen, wann die Zulassung für die Tablette mit dem Wirkstoff Fumarsäure beantragt wird, bzw. wann dieses Medikament voraussichtlich zur Verfügung stehen wird?

PD Dr. Oliver Neuhaus: Hallo Sabina65, der Antrag steht meines Wissens bald bevor, aber mit einer Zulassung in Europa ist erst 2013 zu rechnen (siehe untere Antworten). Grüße O. Neuhaus

Margarete: Vielen Dank. Cranberry-Kapseln nahm er schon eine zeitlang, bekamen jedoch nicht seinem Magen. Ich werde mal versuchen, einen Cranberry-Sirup zu kaufen. Tabletten nimmt er schon so viele. Und viel Trinken ist ja auch sehr wichtig. Leider kann er seit August gar nicht mehr gehen. Müssen wir halt wieder Abschied nehmen und so gut es geht mit der Krankheit leben. Herzlichen Dank für Ihre Zeit hier.

PD Dr. Oliver Neuhaus: Hallo Margarete, wichtig in einer schweren Form der MS wie bei Ihrem Mann ist, soweit möglich Symptome zu behandeln. Auch ist auf jeden Fall Physiotherapie sinnvoll. Grüße O. Neuhaus

Darko: Hallo Herr Dr. Neuhaus, wo wir gerade von der Behandlung vo Symptomen sprechen: Gibt es Unterschiede in der Wirksamkeit von Aminopyridin in Kapselform und Fampyra?

PD Dr. Oliver Neuhaus: Hallo Darko, noch eine gute Frage. Fampyra ist tatsächlich eine retardierte Form von 4-Aminopyridin, das es früher als in der Apotheke hergestellte Kapseln gab. Anders ist, dass es retardiert ist und kein so hohes Epilepsierisiko hat. Die Wirkung ist vergleichbar. Und: Fampyra ist zugelassen, und 4-Aminopyridin nicht. Grüße O. Neuhaus

chris: Guten Abend, was denken Sie bzgl Alemtuzumab & aggressiver MS im Anfangsstadium?

PD Dr. Oliver Neuhaus: Alemtuzumab ist ein sehr starkes Medikament, das eventuell ab 2013 zur Zulassung kommt (ist aber noch nicht sicher, da auch schwere Nebenwirkungen vorkommen). Es wird sicher nicht für ein Anfangsstadium der MS zur Verfügung stehen, sondern voraussichtlich nur, wenn sowohl die Basistherapien als auch die Eskalationstherapien (momentan Tysabri und Gilenya) nicht ausreichen. Die Grundidee, die MS gleich am Anfang durch ein sehr starkes Medikament zu stoppen, ist nicht neu. Allerdings sind hier die Nebenwirkungen zu problematisch. Grüße O. Neuhaus

Redaktion: AMSEL e.V.


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